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Italienische Hochschulen : Unser System gehört zu den besten der Welt

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Die Universität Mailand ist als einzige in Italien Mitglied der „League of European Research Universities” (LERU), eines Netzwerks von derzeit 23 Universitäten, die sich besonders für die Grundlagenforschung engagieren. Darin stellen wir uns einem internationalen Vergleich. Außerdem sind wir einem neuen, stark besetzten europäischen Netzwerk für die Zusammenarbeit in der Forschung und zur Entwicklung neuer didaktischer Modelle beigetreten. Gemeinsam mit der Universität Heidelberg, der Sorbonne, der Charles University in Prag und den Universitäten Kopenhagen und Warschau bewerben wir uns um europäische Fördergelder.

Das Ospedale Maggiore, heute Hauptgebäude der Universität Mailand

Sechs europäische Universitäten mit sehr unterschiedlichen Kulturen des Lehrens. Nach meinem Eindruck ist die Reproduktion von Wissen in Mailand  wesentlich wichtiger als in angelsächsischen akademischen Kulturen. Dort steht die eigenständige Problemlösung durch die Studenten mehr im Vordergrund.

Anders als in der Forschung haben wir in der Lehre enorme kulturelle Unterschiede. Eben den Austausch zwischen den Kulturen will die europäische Ausschreibung fördern. Oder anders gesagt: Europa durch eine engere Zusammenarbeit der Hochschulen in der Lehre fördern. In der Forschung arbeiten im Prinzip alle bereits auf die gleiche Weise.

In gewisser Hinsicht ist die Geschichte Italiens jener Frankreichs im 19. Jahrhundert ähnlich, in der Auseinandersetzung zwischen den einfachen Leuten und den Vermögenden, zwischen revolutionären Kräften und solchen beharrenden Besitzens. Warum sind die Systeme der Bildung und der Forschung in Frankreich so viel mehr entwickelt?

Italien ist ein weites, langgestrecktes Land. Anders als Frankreich beherbergt es sehr unterschiedliche Kulturen. Frankreich hat eine nationale Kultur, die sich um den Gegensatz von Hauptstadt und Provinz herausgebildet hat. Das gibt es in Italien nicht. Italien hat zwar versucht, eine nationale Kultur herzustellen, zu bestimmten Themen gibt es aber kein gemeinsames Empfinden. Die Stadt, auf die es ankommt, ist immer die, in der man arbeitet.

Die Herkunft aus einem kleinteiligen, polyzentrischen Staatsgebilde hätte Italien mit Deutschland gemeinsam. Warum hat man den Eindruck, Bildung und Wissenschaft genössen im Norden ein höheres Prestige?

Auch in dieser Hinsicht ist Italien nicht homogen. Es gibt unterschiedliche Entwicklungsmodelle auf der einen Seite im Süden, auf der anderen Seite im Norden und in der Mitte. Das muss man sich einfach eingestehen, auch wenn es natürlich in Ordnung ist, wenn das Land in seiner Diversität zusammenbleibt. Der Norden ist reich. Die Lombardei und das Veneto zusammengenommen ergäben eine der reichsten und entwickeltsten Regionen Europas. Das kulturelle Modell hier, das Verhältnis von Arbeit, Forschung, Innovation ist nicht das gleiche wie in anderen Regionen. Die öffentliche Verwaltung dieser Region kommt aus der Tradition der habsburgischen Regierungen, und davon profitiert sie noch heute. Dagegen hat der bürokratische Apparat des Nationalstaats seine Wurzeln im Piemont und im Königreich der beiden Sizilien. Und die gehörten im 19. Jahrhundert zu den rückständigsten in Europa.

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