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Interview-Reihe „Auf ein Wort“ : Den Rest mache ich dann privat

  • -Aktualisiert am

Anja Glaser, 48 Jahre, Goethe-Universität Frankfurt, 5. Semester Religionswissenschaften Bild: Michael Kretzer

Anja Glaser will ihre Bachelorarbeit über Muslime in der Nazi-Propaganda schreiben. Auf den Uni-Alltag hat sie einen besonderen Blick. Ihr Studium der Religionswissenschaft betrachtet sie als zweites Leben.

          Was liegt an diese Woche?

          Anja Glaser: Ich informiere mich, wie das mit meiner Bachelorarbeit läuft. Ich habe mir jetzt einen Erst- und Zweitprüfer gesucht. Jetzt geht es los mit der Forschung. Diese Woche fahre ich ins Bundesarchiv nach Berlin, um Dokumente zu suchen. Es geht um Muslime in der Nazi-Propaganda, und ich hoffe dort auf eine gute Ausbeute.

          Was gefällt Ihnen an dem Fach, das Sie studieren?

          Mir gefällt sehr viel. Ich bin römisch-katholisch erzogen und später altkatholisch geworden und wollte das Ganze gern wissenschaftlich sehen. Das habe ich in meinem Studium gefunden. Vorher habe ich drei Semester islamische Theologie studiert, und das war mir zu einseitig.

          Und was stört Sie?

          Dass man viele Dinge nicht vertiefen kann. Es muss eine Auswahl an Literatur getroffen werden. Das ist immer nur ein kleiner Blick auf ein Thema. Aber den Rest mache ich dann privat.

          Was wollten Sie Ihrer Universitätspräsidentin schon immer sagen?

          Viele Türen sind durch Treppen für Behinderte überhaupt nicht geeignet. Der Campus könnte auch besser beleuchtet werden. Erst vor kurzem kam hier ein Student nachts bei einem Unfall mit dem Fahrrad zu Tode.

          Ihr Lieblingsort an der Universität?

          Das ist die Wiese hinter dem IG-Farben-Haus. Im Sommer habe ich eine Jacke dabei. Wenn ich Freistunden habe, lohnt es sich für mich nicht, heimzufahren. Dann lege ich mich unter die Bäume und schlafe manchmal sogar ein.

          Und wohin gehen Sie auf keinen Fall, wenn Sie nicht müssen?

          In eine mündliche Prüfung. Das würde ich mir nie aussuchen.

          Wo ist in der Universität der beste Ort zum Flirten?

          Ich denke, die Cafeteria wäre ein guter Ort.

          Wie wohnen Sie?

          Ich wohne in Groß-Umstadt. Mein Mann und ich haben ein Haus, zwei Kinder, einen Hund und einen Garten. Meine Tochter studiert in Jena im fünften Semester. Für mich war das jetzt noch einmal ein zweites Leben.

          Wie finanzieren Sie Ihr Studium?

          Ich arbeite an der Uni. Ich habe von einer Dozentin ein Angebot bekommen, in einer Akademie 20 Stunden die Woche zu arbeiten.

          Wo gehen Sie abends am liebsten hin?

          In Kneipen. Aus dem Club-Alter bin ich absolut raus. Ich gehe gern in Darmstadt in die Gin-Kneipe „Adega“. Dort gibt es 350 Gin-Sorten. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die alle durchzuprobieren, und bin schon gut dabei.

          Was gefällt Ihnen an Frankfurt, was nicht?

          Ich liebe Frankfurt, weil es denkt, es sei eine Großstadt, aber oft kleinstädtisch ist. Die Armut am Hauptbahnhof oder an der Hauptwache gefällt mir nicht. Ich gebe denen oft Geld, aber das kann ich nicht bei jedem machen.

          Was wollen Sie nach dem Studium machen?

          Ich würde gern weiter in der Akademie arbeiten und in die Wissenschaftskommunikation gehen. Ein Master in Religionswissenschaften steht aber auch noch an.

          ***

          Anja Glaser, 48 Jahre, Goethe-Universität Frankfurt, 5. Semester Religionswissenschaften

          Aufgezeichnet von Tom Schmidtgen

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