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Internationale Schule : Nicht nur die Uniform folgt britischen Vorbildern

Am King’s College orientiert man sich voll und ganz am britischen Schulsystem. Bild: Michael Kretzer

In Friedrichsdorf öffnet im August mit dem King’s College eine Schule, die Unterricht wie in England bietet. Sie profitiert am Standort von einer anderen Privatschule, die für Schlagzeilen sorgte.

          Die Mensa sieht aus, als könne dort jeden Augenblick eine Hundertschaft Schüler zum Essen Platz nehmen. Tische und Stühle dafür stehen bereit. Aber die an der Decke hängenden Nationalfahnen aus aller Herren Ländern wären wohl etwas, das auf der Anschaffungsliste nicht ganz oben stünde. Sie stammen von der Vorgängerschule. Kirsty Sharp freut sich über dieses Zeichen der Internationalität. „Eine Schule mit Fahnen, das ist mein Traum“, sagt die Schulleiterin augenzwinkernd. Die Britin ist damit beschäftigt, alles für die Eröffnung des King’s College Frankfurt in Friedrichsdorf vorzubereiten. Am 20. August beginnt der Unterricht, zunächst für Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Der Name King’s College ist Programm. Die Schulsprache ist Englisch, der Lehrplan richtet sich nach dem englischen Bildungssystem. Auf die „Nursery“ für Kinder von zwei Jahren an folgen „Infants“ und „Juniors“. Nach den fünf Jahren der Secondary School können die Schüler die Prüfungen für die internationale Variante des General Certificate of Secondary Education (GCSE) ablegen, das etwa der mittleren Reife hierzulande entspricht. Nach den zwei weiteren Jahren der Sixth Form endet die Laufbahn mit dem A-Level, der Hochschulreife.

          Das King’s College als britische Schule unterscheidet sich damit zum Beispiel von der Frankfurt International School in Oberursel, die mit dem International Baccalaureate einen internationalen Abschluss anbietet. „Very british“ sind auch die Schuluniformen des College.

          Schöne Überraschung mit schwieriger Vorgeschichte

          Die Privatschule nutzt die um einen Anbau erweiterte denkmalgeschützte ehemalige Philipp-Reis-Schule an der Hugenottenstraße und den vor gut zehn Jahren entstandenen Neubau. Hier war die 2005 aus einer Elterninitiative entstandene Rhein-Main International Montessori School beheimatet. Deren Anspruch, das erste internationale Montessori-Gymnasium zu sein, ließ sich mit den Anforderungen des deutschen Schulsystems nicht vereinbaren. Zudem fehlten Sponsoren, so dass die Eltern mit Darlehen einspringen mussten. Geradezu spektakulär scheiterte danach allerdings die Absicht einer neuen Gesellschaft, den Schulbetrieb zunächst als „Life School“ und dann als Main Taunus International School (MTIS) bilingual weiterzuführen.

          Die Trägergesellschaft der MTIS mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Hans-Peter Dahlmann blieb die Miete schuldig, so dass der Vermieter, die Immobiliengesellschaft der benachbarten chemischen Fabrik Rühl AG, der Schule vor einem Jahr kündigte. Als schließlich sogar der Energieversorger den Strom abstellte, widerrief das Staatliche Schulamt im Dezember die Genehmigung für die private Ersatzschule. Kurz darauf hatte der Vermieter mit der Räumungsklage vor dem Landgericht Frankfurt Erfolg, im Januar wurden die Gebäude übergeben.

          Johann Heyken, Vorstandsmitglied der Rühl AG und Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft, beziffert die ausstehenden Forderungen aus der Miete einschließlich der Renovierungskosten inzwischen auf einen siebenstelligen Betrag. Die Eigentümer machten ihr Vermieterpfandrecht geltend, so dass sie zumindest Möbel und Inventar an das King’s College verkaufen konnten. Auf diese Weise kam Sharp auch an die Fahnenriege und, noch viel wichtiger, an eine voll ausgestattete Schulbibliothek. „Sich so etwas aufzubauen dauert sonst viele Jahre.“ Etliche Bücher stammen noch aus der Zeit der Montessori-Schule. Die neue Schulleiterin weiß, dass das, was für sie eine „schöne Überraschung“ war, eine schwierige Vorgeschichte hat. „Wir müssen Vertrauen aufbauen.“

          Schulpflicht nicht erfüllt

          Dabei hat der neue Schulträger King’s Group nichts mit den Vorgängern zu tun. Roger Fry, der seit 2012 den Titel Sir tragen darf, gründete 1969 die erste Schule in Madrid. Nicht nur Briten im Ausland oder die internationale Gemeinde, sondern auch viele Spanier nutzten das alternative Bildungsangebot. In den vergangenen acht Jahren ist die Gruppe gewachsen. Außer sechs Schulen in Spanien betreibt sie weitere in Lettland und Panama sowie ein Internat in England mit insgesamt 4300 Schülern. Friedrichsdorf wird der zehnte Standort. Obwohl die Stadt beim Blick von außen natürlich als „Wohngebiet von Frankfurt“ gilt. Schon lange habe die Gruppe in Frankfurt nach der Möglichkeit gesucht, eine Schule zu eröffnen, sagt Sharp. „Ein solches Angebot gibt es hier bisher nicht.“ Diese Lücke und der Bedarf seien die wichtigsten Kriterien. Der Brexit komme zwar hinzu, sei aber nicht entscheidend gewesen.

           Kirsty Sharp ist Schulleiterin des King’s College.

          Sharp selbst wechselte 2013 von der Britischen Schule in Prag zur King’s Group und ist dieser Tage von Madrid nach Friedrichsdorf gezogen. Sogar den Hugenottenmarkt hat sie schon besucht. Sie rechnet damit, im August mit 30 bis 50 Schülern zu beginnen. „Wir wollen langsam wachsen“ – auf bis zu 600 Schüler. Die meisten Anmeldungen kämen bisher aus Bad Homburg, Friedrichsdorf und Oberursel, aber auch aus Frankfurt. Darunter seien außer Briten auch Mexikaner oder Inder. Neben Landsleuten aus ihrer Heimat zählen internationale Familien, die viel unterwegs sind und sich dabei für ein bestimmtes Bildungssystem entschieden haben, zur Zielgruppe. Sie müssen zwischen 11 500 und 17 500 Euro Schulgeld im Jahr aufbringen.

          Auch wenn die Schule in den Nachbarstädten auf Plakatwänden wirbt, ist sie für Kinder aus deutschen Familien nicht einfach eine zusätzliche Wahlmöglichkeit. Anders als zum Beispiel die kirchlichen Privatinstitute wie die Bischof-Neumann-Schule oder die Sankt-Angela-Schule in Königstein gilt sie nicht als Ersatzbildungseinrichtung, weil sie nicht dem hessischen Lehrplan folgt. Mit dem Besuch am King’s College erfüllten Schüler nicht die Schulpflicht, sagt die Leiterin des Schulamts, Rosemarie zur Heiden. Er könne in Einzelfällen genehmigt werden, wenn die Familien zum Beispiel nur vorübergehend hier seien, einen Umzug planten oder die Kinder im englischen Schulsystem groß geworden seien.

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