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Hohe Abbruchrate : Wie können Mint-Fächer attraktiver werden?

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Wohl dem, der schwindelsicher ist: Besucher der Mint-Messe in Hannover fahren Karussell mit einem Roboter. Bild: Daniel Pilar

Studenten aus dem Mint-Bereich fühlen sich oft überfordert und brechen ab. Das liegt auch an fehlenden Kenntnissen aus dem Schulunterricht. Könnten verpflichtende Vorkurse daran etwas ändern? Ein Gastbeitrag.

          Es dürfte keine zweite Fächergruppe geben, die so stark in der Medienberichterstattung vertreten ist wie der Mint-Bereich: Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie, Physik und Technik. Der Duktus ist dabei immer der gleiche: Die Fächer werden in der Schule vernachlässigt, die Mädchen verschreckt und traumatisiert, und am Ende bleiben zu wenige Mint-Auszubildende, zu wenige Mint-Studenten, zu viele Mint-Studienabbrecher; und der Industrie- und Hochtechnologiestandort Deutschland ist gefährdet, wenn sich nichts grundlegend im Bildungssystem ändert. Mit der Fokussierung auf die Mint-Disziplinen ist die Überzeugung verbunden, dass langfristiger Wohlstand in Deutschland nur zu sichern ist, wenn Generationen von Kindern und Jugendlichen so gut in diesen Fächern aufs Leben vorbereitet werden, dass sie anschließend gewillt und befähigt sind, entsprechende Berufe zu ergreifen. Dass hohe Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Mint-Fächern eine wichtige individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ressource darstellen, ist auch in der Wissenschaft unbestritten und die internationalen und nationalen Schulleistungsstudien untersuchen nicht ohne Grund mathematische, naturwissenschaftliche und informationstechnische Leistungen unserer Schüler.

          Jenseits von nüchterner Wissenschaft, solchen Vorhaben wie Pisa und medialer Neigung zur Dramatisierung der Lage lohnt sich der Versuch, einmal ein Gesamtbild über die Lage der Mint-Bildung in Deutschland zu zeichnen, um daraus Konsequenzen für das Bildungssystem zu ziehen. Ein solches Gesamtbild haben acatech, die Koerber-Stiftung und das IPN mit dem Mint-Nachwuchsbarometer, das vor kurzem erschienen ist, erstellt. Was wir daraus lernen, stimmt keineswegs nur pessimistisch:

          Entgegen der landläufigen Meinung haben wir sehr viele Studienanfänger in den Mint-Fächern. In keinem OECD-Land beginnen prozentual mehr junge Menschen ein Mint-Studium als in Deutschland. Die Mint-Fächer sind an deutschen Universitäten und Fachhochschulen ebenso beliebt wie die Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im dualen Ausbildungssystem interessieren sich mehr junge Menschen für Mint-Ausbildungsberufe, als es Ausbildungsplätze gibt.

          Mädchen meiden Naturwissenschaften

          Das Fach Mathematik hat in der gymnasialen Oberstufe eine deutliche Aufwertung dadurch erfahren, dass es in den meisten Bundesländern verpflichtend mit mindestens vier Wochenstunden unterrichtet wird. Biologie wird ebenfalls häufig vertiefend in der Oberstufe belegt. Die Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen unserer 15 Jahre alten Schüler liegen im internationalen Pisa-Vergleichstest über dem OECD-Mittelwert. Im Grundschulbereich liegen die Leistungen immerhin auf OECD-Niveau. Die Zahlen der Kitas, die an Mint-Initiativen wie „Haus der kleinen Forscher“ teilnehmen, steigen von Jahr zu Jahr.

          Entwarnung können diese Befunde nicht geben, stehen ihnen doch auch viele negative Fakten entgegen. Im Vorschulbereich liegen die mathematischen und naturwissenschaftlichen Vorläuferfähigkeiten von Kindern aus sozial und kulturell benachteiligten Familien zwei Lernjahre hinter denen der Kinder aus privilegierten Familien.

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