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Plagiat und Datenschutzrecht : Eine Universität verirrt sich

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture-Alliance

Wer in einer wissenschaftlichen Arbeit täuscht, muss mit einem ausführlichen Vermerk im Bibliothekskatalog rechnen. Uneindeutige Hinweise werden der Komplexität des Vorgangs nicht mehr gerecht.

          Wie andere Hochschulen hat auch die Freie Universität Berlin (FU) ein Problem mit plagiatsbehafteten Promotionen. So wurde jüngst einer veterinärmedizinischen Dissertation aus dem Jahr 2003 die Wissenschaftlichkeit abgesprochen und dem Urheber der Titel wegen Plagiaten entzogen. Die Wissenschaftsplattform „VroniPlag Wiki“ hatte schon 2014 auf die Täuschung aufmerksam gemacht.

          Über den Titelentzug informierte die FU nicht öffentlich, sondern nur auf Anfrage in einer E-Mail an FAZ.NET. Nachdem der Titelentzug bestandskräftig wurde, war die Hochschule mit der Frage konfrontiert, wie sie die akademische Öffentlichkeit über die Plagiate informieren soll. Immerhin hatte der Autor auf über 62 Prozent der Textseiten seine Quellen nicht oder nicht vollständig angegeben. Die Pressestelle der Universität behauptet, dass sich ein Plagiatshinweis „direkt bei dem gedruckten Exemplar, das in der Bibliothek der Freien Universität Berlin eingesehen werden kann“, befinde. Das jedoch ist unzutreffend. Besucht man die betreffende Bibliothek und nimmt die Arbeit in die Hand, findet man oberhalb der bibliographischen Hinweise auf der zweiten Seite folgenden handschriftlichen Eintrag: „Entzug des Doktorgrades durch Bescheid der Freien Universität Berlin vom 20.3.2018.“ Darunter: Unterschrift und Universitätsstempel. Ein Hinweis für den Grund des Entzuges findet sich nicht. Die Plagiate bleiben verschwiegen.

          Ein solches Vorgehen würde Rolf Schwartmann wohl für rechtswidrig halten. Der Leiter der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, der auch Vorsitzender der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit ist, hatte sich jüngst in einem Gutachten mit der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit der Kenntlichmachung des Entzugs eines Doktorgrades in (Online-) Bibliothekskatalogen beschäftigt.

          Falsche Berufung auf den Datenschutz

          Dieses Gutachten entstand im Auftrag des Gremiums „Ombudsman für die Wissenschaft“ und ist auf deren Webseiten komplett einsehbar.

          Schwartmann schreibt darin, dass eine allgemeine Information des Titelentzugs – ohne Angabe des genauen wissenschaftlichen Fehlverhaltens – gar nicht im Aufgabenbereich einer Hochschule liege. Der Grund: Ein solcher Vermerk erfülle nicht den Zweck, der „Reinhaltung“ und Wahrung der Glaubwürdigkeit von Wissenschaft zu dienen. Zulässig sei ein Hinweis nur dann, wenn er einen Bezug zum wissenschaftlichen Grund für den Entzug des Grades enthalte. Wie dieser Hinweis konkret auszuformulieren wäre, gibt Schwartmann nicht vor. Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte sei es aber ratsam, eine Zweiteilung der möglichen Entzugsgründe dergestalt vorzunehmen, dass der Vermerk konkret benennen muss, ob der Entzug „aufgrund wissenschaftlicher Mängel“ oder „aus sonstigen Gründen (keine wissenschaftlichen Mängel)“ erfolgte.

          Die FU indes hat gar keinen Grund angegeben. Unterlassen hat sie im Übrigen auch eine Kennzeichnung in ihrem Onlinekatalog: „Dieses Verfahren“, so der FU-Pressesprecher „wurde mit dem Datenschutz abgestimmt.“ Allerdings ist dieses Vorgehen juristisch zumindest umstritten. So schreibt Schwartmann: „Der informierende Vermerk über den Entzug wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in einem Onlinekatalog erweist sich, bezogen auf den rechtskräftigen Entzug des Doktorgrades, als notwendige Folgemaßnahme ohne Eingriffsgehalt. Das Informationshandeln hinsichtlich des Entzugs ist vielmehr nur eine Art ‚Folgenbeseitigung‘ des zu Unrecht verliehenen Doktorgrades. Der bereits öffentlich gewordene falsche Schein, es liege ein wissenschaftliches Werk vor, wird wiederum auch öffentlich korrigiert.“

          Insofern kann die Berufung der FU auf den Datenschutz nicht überzeugen. Denn auf dem Universitätsserver wird die Arbeit weiterhin ohne jeden Plagiatshinweis im Volltext angeboten, während es bei der Deutschen Nationalbibliothek heißt, dass das Dokument „aus rechtlichen Gründen gesperrt“ sei. In der Berliner Landesbibliothek findet sich in dem dort vorhandenen Exemplar weder ein Hinweis auf das Plagiat noch auf den Titelentzug.

          Der Berliner Fall ist exemplarisch: Viele Bibliotheken müssen nun, aufgrund des neuen Datenschutzrechts, ihre Hinweise in den Katalogen überarbeiten. Wo plagiiert wurde, wird das demnächst vermerkt sein müssen. Daran ändert auch nichts, wenn der betroffene Autor die Wissenschaftskarriere abgebrochen hat oder die Forschung ganz verlässt. Denn sein Werk wirkt wissenschaftlich weiter.

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