https://www.faz.net/-in2-9p80c

Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

  • -Aktualisiert am

Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin. Bild: Picture-Alliance

Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Seit dreizehn Jahren bewerben sich deutsche Universitäten um die Auszeichnung als exzellent. Manche halten den Titel seitdem, andere konnten sich nur vorübergehend mit ihm schmücken. Die Energie, die so oder so aufgewendet wird, um diesen Status zu pflegen, zu sichern, zu erobern, ist ungeheuer. Rektorate und Präsidien kommen im Verlauf der immerwährenden Bewerbungsphase über Monate zu wenig anderem als zur Entwicklung von Konzepten, die sich als gewinnträchtig beim Schaulaufen vor internationalen Gutachtern erweisen sollen.

          Das Schaulaufen selbst führt zu den seltsamsten Theateraufführungen und nicht immer würdevollen Versuchen, sich in das hineinzudenken, was die Gutachter vermutlich hören wollen. Drei Jahre dauert dem Vernehmen nach die gesamte Vorbereitung darauf. Am Ende winken im Wettbewerb um den Exzellenz-Titel „nur“ etwa zehn bis fünfzehn Millionen Euro jährlich je Gewinnerin, von denen man dann eigentlich noch die Vorbereitungskosten abziehen müsste.

          Eigentlich stimmt so gut wie nichts

          Vor allem aber winkt das offenbar unbezahlbare Renommee, auch wenn es nicht viel über die Unterschiede zwischen Tübingen und Göttingen sagt, wenn die eine Universität Exzellenzlorbeer trägt, die andere hingegen zur Ex-Exzellenz gehört. Kriterien für die Kür gibt es ohnehin nicht, es entscheidet das Dafürhalten beim Betrachten von Folien und Prospekten. Die Wissenschaftler selbst hält das Anfertigen immer neuer Anträge davon ab, wozu sie berufen sind: Lehre und Forschung. Verwerfungen beim wissenschaftlichen Nachwuchs kommen hinzu. Immer mehr Studenten werden als ewiger Nachwuchs in die Projektforschung hineingezogen, ohne dort einen dauerhaften Verbleib zu haben.

          Derweil klagen die Hochschulen über rückläufige Grundfinanzierung sowie Abiturienten, die über elementare Fähigkeiten nicht verfügen und nachgeschult werden müssen. Wie exzellent auch immer eine Universität ist oder jedenfalls genannt wird, bei der Zulassung von Studenten nützt es ihr nichts. Hier gilt nach wie vor das Wort von der „unzulässigen Niveaupflege“, das vor Jahrzehnten das Bundesverwaltungsgericht geprägt hat. Deswegen sind alle Vergleiche der heutigen Exzellenz-Sieger ohne Niveaupflege mit den besten Universitäten Großbritanniens, Nordamerikas oder Frankreichs schief.

          Genau so wie die Erwartung von Hochschul- und Forschungspolitikern, die allen Ernstes behaupten, der Wohlstand der Landes hänge vom Erschöpfungswettbewerb der Hochschulen um Projektmittel ab. Eigentlich stimmt so gut wie nichts, was über diesen Wettbewerb gesagt wird. Den schönsten Satz bei der Verkündung der Exzellenz-Universitäten sagte insofern Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) – weil es zugleich auch der logisch anspruchsvollste war: Sie gratulierte den Siegern und rief den Verlieren zu, diese hätten ihre Exzellenz ja längst bewiesen, weil sie im Wettbewerb so weit gekommen wären. Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt oder Herzlichen Glückwunsch zum Nichtgewinn.

          Weitere Themen

          Was sind Sanktionen? Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Was sind Sanktionen?

          Immer mehr Sanktionen werden gegen Staaten verhängt. Doch wie in der Erziehung scheitern sie oft. Warum? Was bewirkt eine Sanktion eigentlich? Eine Erklärung, warum Sanktionen meist nicht zum Erfolg führen, weder bei Kindern noch bei Staaten.

          Warum ticken die Ossis so?

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Premierminister bei Merkel : Johnson beharrt auf Ende des Backstops

          Johnson und Merkel zeigen sich optimistisch – dennoch belegt der Backstop die Schwierigkeiten des Treffens. Schon vorher hatten Finanzminister und Bundespräsident dem Premier die kalte Schulter gezeigt.
          Luftbildkamera der NVA im Stabsgebäude über dem Eingang zum DDR-Atombunker Harnekop nordöstlich von Berlin

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Soli und Negativzinsen : Die Koalition der Verzweifelten

          Der Soli wird zur verkappten Reichensteuer. Zudem entdeckt die Koalition jetzt auch noch den Sparer und will Negativzinsen verbieten. Wetten, dass das weder CDU noch SPD hilft?
          Bugatti Veyron auf einer Automesse – Das Modell war auch bei den von Schweizer Behörden gesuchten Verdächtigen beliebt

          Milliarden-Raub : Verdächtige lebten in Saus und Braus

          Internationale Kriminelle haben den Staatsfonds von Malaysia ausgeraubt. Schweizer Ermittler sind den veruntreuten Milliarden auf der Spur – ein Krimi, der von einem mysteriösen Araber handelt und von superschnellen Luxusautos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.