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Exzellenzstrategie : Große Gefühle, kleiner Ertrag

  • -Aktualisiert am

Darauf ein Bierchen: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer und Universitätsrektor Steinhagen feiern den Exzellenz-Erfolg der TU Dresden Bild: dpa

Luftsprünge, Tränen, Trost für Verlierer: Nach der Exzellenz-Entscheidung feiern sich Politik und Universitäten. Verloren hat einmal mehr die Wissenschaft.

          Wenn Hochschulrektoren vor laufenden Kameras Luftsprünge vollführen und sich mit Freudentränen in die Arme ihrer Mitarbeiter werfen, wenn andernorts akademische Eminenzen mit versteinerten Gesichtern um Fassung ringen, dann muss etwas Herausragendes geschehen sein. Es nennt sich Exzellenzstrategie. Seit vergangener Woche hat Deutschland endlich wieder exzellente Universitäten, dreizehn insgesamt. Alle anderen können sich zwar ungestraft Spitzen-, Top- oder Eliteuniversität nennen, Exzellenz-Universität dagegen nur jene, die die Auswahlkommission der Exzellenzstrategie von der herausragenden Qualität ihrer Hochschule überzeugen konnten.

          Es geht dabei allerdings nur um Konzepte, Pläne und Absichtserklärungen. Die Exzellenzstrategie vergibt ihre Auszeichnungen nicht für schon Geleistetes, sondern für überzeugend Versprochenes. Das gilt zwar für jeden Forschungsantrag, die Exzellenzstrategie jedoch preist schon das Vorhaben als exzellent, anstatt mit solchen Lorbeeren zu warten, bis die Ergebnisse vorliegen. Ob die eingeworbenen Millionen tatsächlich den in allen Anträgen versprochenen Unterschied zwischen nur guter und eben herausragender Forschung machen werden, wird sich erst noch zeigen.

          Die entscheidenden Ziele wurden verfehlt

          Für den Vorgänger der Exzellenstrategie, die sogenannte Exzellenzinitiative, kamen die Wissenschaftssoziologen Stefan Hornbostel und Torger Möller zu einem eher ernüchternden Ergebnis. In einer bibliometrischen Wirkungsanalyse stellten sie 2015 fest, dass sich die Exzellenzinitiative entgegen der „überschießenden Begleit-Rhetorik“ und „Superlativitis“ recht unspektakulär in einen längerfristigen und insgesamt unbestreitbar „positiven Entwicklungszusammenhang“ des deutschen Wissenschaftssystems einordne. Dieser Fortschritt zeige sich insbesondere an der Zunahme des deutschen Anteils an den international hochzitierten Veröffentlichungen. Dafür waren nach den Autoren tatsächlich die publikationsstärkeren Hochschulen verantwortlich, während der außeruniversitäre Sektor der deutschen Forschung teilweise über Jahre hinweg stagnierte. Die Exzellenzinitiative „scheint“ für das deutsche Hochschulsystem eine „gewisse Beschleunigung der Entwicklung bewirkt“ zu haben, schließen Hornbostel und Möller sehr zurückhaltend, aber keineswegs einen grundlegend anderen Trend.

          Die internationale Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative stellte dann 2016 ein durchwachsenes Zeugnis aus. Die nach ihrem Vorsitzenden Dieter Imboden benannte Kommission untersuchte die Auswirkungen der Exzellenzinitiative auf die zentralen Schwächen des deutschen Hochschulsystems, etwa dessen unzureichende Differenzierung. Die Schärfung der Universitätsprofile war das erklärte Ziel der Initiative gewesen. Inwieweit das durch die Exzellenzinitiative befördert wurde, könne leider nicht entschieden werden, urteilte die Kommission. Und da eine Begleitforschung zur Exzellenzstrategie mangels Förderung nicht mehr stattfindet, wird das auch in Zukunft nicht entschieden werden können.

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