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Grenzen der Technik : Das letzte Refugium menschlicher Intelligenz

  • -Aktualisiert am

Welches Potential hat die Künstliche Intelligenz? Bild: © Steven T. Caputo, CereberallHack.com

Computer können längst nicht alles. Online-Übersetzer zum Beispiel stoßen schnell an ihre Grenzen. Für den Kognitionswissenschaftler Douglas R. Hofstadter herrscht in vielen Maschinen effiziente Scheinintelligenz.

          Das schafft keine Maschine, noch nicht: aus sich selbst ein Programm hervorbringen, das auf so unerwartete wie spielerische Weise das eigene Programmhervorbringen analysiert und damit die Maschinenintelligenz insgesamt voranbringt. Der Menschheit gelingt so etwas laufend; letztlich ist wissenschaftlicher Fortschritt nur auf diese Weise möglich. Selten aber sind Querdenker derart unkonventionell und multitalentiert wie Douglas R. Hofstadter.

          Der Sohn eines Physiknobelpreisträgers, der in Stanford und Oregon Physik studiert hatte, schrieb bereits mit Anfang dreißig ein elektrisierendes Sachbuch über die Fundamente der Kognition, das philosophisch, mathematisch und musikalisch zugleich war. „Gödel, Escher, Bach: ein Endloses Geflochtenes Band“ erschien 1979, wurde mit dem Pulitzer Preis und dem American Book Award ausgezeichnet und avancierte zum Kultbuch einer ganzen Generation von Tech-Pionieren. Den Grundmechanismus (und die Grenze) des Denkens brachte der Verfasser mit einem „strange loop“ in Verbindung, den er auf je eigene Weise bei dem Mathematiker Kurt Gödel („Unvollständigkeitssatz“), dem Maler M. C. Escher (die einander zeichnenden „Drawing Hands“) und dem Komponisten Johann Sebastian Bach („Kunst der Fuge“) wiederfand. Nur aufgrund des in solchen „seltsamen Schleifen“ zutage tretenden Rekursionsprinzips könne der Mensch über das eigene Denken nachdenken.

          Kein Grund zur Entwarnung

          An dieser Stelle schien die für die aufstrebende KI-Forschung höchst virulente Frage auf, ob Maschinen, genug Dateninput vorausgesetzt, je zu solchem „Denken“ fähig sein würden. Hofstadter geht bis heute davon aus, dass das prinzipiell möglich ist. Als echten Informatiker hat er sich freilich nie begriffen, zumal er auch ein Faible für Sprachen besitzt: Chinesisch, Russisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch spricht er fließend. So übernahm der Universalgelehrte 1988 den Lehrstuhl für Kognitionswissenschaften und Komparative Linguistik an der Indiana University Bloomington, wo er seither mit eigenem Team die Logik des menschlichen Sprechens, Verstehens und Ich-Bewusstseins erforscht. Es geht also darum, was genau in den Rekursionsschleifen geschieht. Dabei stieß Hofstadter auf die Fähigkeit zur Analogiebildung: Denken beruhe darauf, den Wesenskern einer Sache von ihrer Oberfläche unterscheiden und mit anderen vergleichen zu können. Die Versuche seiner Gruppe, Computer in dieser Hinsicht fit zu machen, hatten indes wenig Erfolg.

          Als Komparatist interessiert sich Hofstadter zudem für Übersetzungsfragen. Vor zwanzig Jahren hat er sogar selbst Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ ins Englische übertragen. Seine Vorträge als vierzehnter Albertus-Magnus-Gastprofessor an der Universität zu Köln stellte Hofstadter daher jetzt unter den Titel „Reflections on Translation“. Er gab dem Thema bereits dadurch einen faszinierenden Spin, dass er dabei eine Art Wettbewerb inszenierte, denn der erste Abend war den maschinellen Übersetzungen gewidmet, der zweite den menschengemachten. Man darf vorab verraten, dass die Auseinandersetzung null zu unendlich ausging. Und doch wollte der Redner diese Genugtuung nicht als Entwarnung verstanden wissen, ganz im Gegenteil.

          Am Beginn der Überlegungen stand die „Parthenon-Frage“. Würde jemand, der in Nashville, Tennessee, die originalgetreue Rekonstruktion des berühmten Athener Bauwerks besucht hat, behaupten können, er habe „im Parthenon gestanden“? Wohl kaum. Und doch sagten wir ganz unbefangen, wir hätten „Shakespeare gelesen“, selbst wenn dies nur in Übersetzung geschehen sei. Wer nun glaubte, Hofstadter behaupte damit die prinzipielle Unübersetzbarkeit von Literatur (zumal der polyglotte Star-Intellektuelle offenbar jeden Text der Welt im Original zu lesen vermag), wurde überrascht. Er glaube nämlich, betonte der Gast, fest an die Möglichkeit qualitativ hochwertiger Übertragungen, und zwar in Form kongenialer Nachschöpfungen. Rekonstruktionen hätten in diesem Fall also keinen Aura-Nachteil.

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