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Forschungsinfrastrukturen : Ein Flussbett für die Datenströme

  • -Aktualisiert am

Die Wissenschaft braucht Souveränität über ihre Daten: Blick in ein Rechenzentrum Bild: dpa

Nationale Forschungsdateninfrastruktur ist ein sperriger Name. Doch er steht für eine wichtige Aufgabe. Denn seriöse Wissenschaft braucht gute Daten. Und Daten brauchen Pflege.

          Initiativen zur Gestaltung des digitalen Wandels gibt es derzeit viele. Nicht alle bieten wegweisende Antworten. Für die Wissenschaft neuartig und mit einer gewissen Spannung erwartet hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) am 16. November ein Vorhaben beschlossen, das Mut beweist und Zukunft eröffnet. Die Sache trägt das opake Kürzel NFDI. Ausgeschrieben klingt es kaum weniger sperrig: Nationale Forschungsdateninfrastruktur.

          Worum soll es gehen? Um die Bereitstellung von Forschungsdaten für die Wissenschaft. Und zwar erstens: in bundesweit vernetzter und international anschlussfähiger, dabei aber fach- und domänengerecht erschlossener Form. Zweitens sollen auch die vorgelagerten Fragen zu optimaler Handhabung der Daten geklärt werden. Damit handelt es sich um eine Aufgabe, die weit über das bloße Speichern und Verknüpfen von Forschungsdaten hinausgeht.

          Bewegung im Bewegten

          Was kompliziert klingt, ist auch kompliziert, wird aber umso dringender gebraucht. Denn digitale Wissenschaft ist Bewegtes in Bewegtem. Weder gibt es „die“ Daten unabhängig von Software und Geräten, die sie prozessieren, noch kann man die Fülle der Probleme, die in digitalen Forschungsprozessen stecken, einfach einer Bibliothek oder einem Rechenzentrum zuschieben. Digitalität ist vielmehr methodenrelevant. Datenqualität, IT-Entscheidungen und Forschungsergebnisse, die ihrerseits wiederum Daten sind, hängen unmittelbar zusammen. Daher ist Infrastruktur auch nicht „nur“ Infrastruktur. Forschungsdatenmanagement muss Fachwissen vielmehr mit archivarischer und IT-Expertise zusammenbringen. Je mehr Digitalität, desto wichtiger ist bei der Infrastruktur die Mitsprache der Forscher selbst.

          Dass Big Data (die schiere Menge) nicht die größte Herausforderung des Forschungsdatenmanagements ist, treibt längst eine wachsende Zahl von Fachgemeinschaften um. Ob in der Biomedizin, der Wirtschafts- und Finanzwissenschaft, der Kernphysik, der Ingenieurwissenschaft oder der Altertumsforschung: Nachhaltigkeit und Methodenstrenge sind angesichts der enormen Heterogenität der Daten kaum zu leisten. Die fehlende Durchgängigkeit der Datennutzung, also die Verinselung der verwendeten, oft prekären und nur projektförmigen Dienste, verschärft das Problem. Unklare Qualitätsmerkmale, etwa nicht standardisierte „Metadaten“, und rasch wechselnde fachliche Anforderungen kommen hinzu. Gut koordinierte Lösungen werden deshalb dringend gebraucht. Sie sind deutlich schwerer zu organisieren als der bloße Hardware-Kauf.

          Digitalisierte Wissenschaft muss öffentlich bleiben

          NFDI, das ist nun der Startschuss für ein bundesweites Forschungsdatenmanagement-Netzwerk, das für Fachgemeinschaften und für passend zugeschnittene Themenfelder gemeinsame Lösungen schafft. Von technischen Standards bis zu Methodenfragen einschließlich der Priorisierung lautet die Problemstellung: Was wird elementar gebraucht, wie sollen Datendienste gestaltet werden? Ebendies soll von neuen NFDI-Konsortien im engen Gespräch zwischen forschenden Wissenschaftlern und IT- und Informationsexperten verbindlich verabredet und in Angriff genommen werden. Existierende Dienste sind dabei von Gewicht. Die Bedürfnisse müssen von den Fächern her methodisch maßgeschneidert ausgehandelt werden. Breit gewollte Forschungspfade sollen geschaffen werden. Verknüpfung, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit und Synergien (denn nicht alles muss man separat betreiben) kommen unter dem Dach der NFDI dann mit Nachdruck hinzu. Ressourcen fließen hier in Prozesse und nicht in Blech.

          Die Politik macht jetzt Tempo, und in der Wissenschaft steigt die Fieberkurve, was antragsfähige Konzepte angeht. Im ersten Quartal 2019 ist mit der ersten von drei Ausschreibungsrunden für NFDI-Konsortien zu rechnen. Gelder werden teils mittelfristig, teils auf Dauer vergeben. Die Auswahl zukunftsträchtiger Verbünde erfolgt nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten und soll die Effekte fürs Gesamtsystem berücksichtigen. Sie wird verantwortet von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit dem gewählten fachnahen Ansatz von unten, der auf Kommunikation und nicht allein auf Technik setzt, sticht die NFDI im internationalen Vergleich heraus: Andere Nationen steuern Digitalsysteme entweder mit bislang mäßigem Erfolg politisch von oben oder überlassen die Versorgung der Wissenschaft einer Digitalwirtschaft, die sich mehr für ihre Geschäfte interessiert als für solide Forschung.

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