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Hochschulpakt : Folgt das Geld einem Plan?

  • -Aktualisiert am

Viele Studenten, wenige Professoren, das ist eines der Hauptprobleme deutscher Hochschulen Bild: dpa

Der neue Hochschulpakt wird die Universitäten über Jahre hinweg prägen. In den laufenden Verhandlungen wird aber fast nur über Geld geredet.

          Es ist die Zeit des verbissenen Feilschens: Am 3. Mai wollen Bund und Länder ein Konzept für die Fortschreibung des Hochschulpakts vorlegen, bei dem es um die Verteilung von jährlich mindestens 1,8 Milliarden Euro Bundesgeldern gehen dürfte. Die Verhandlungsführer treffen sich zurzeit in verschwiegenen Runden der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), aus denen Papiere, Modellrechnungen und angebliche Einigungen trotzdem an die Öffentlichkeit dringen. Da es um die Fortsetzung eines bereits bestehenden Programms geht, hat jede Partei die Maxime, in Zukunft auf keinen Fall weniger zu bekommen als bisher, sondern möglichst noch mehr. Dass es darüber zwischen der Bundesregierung und den sechzehn Länderministerien Streit gibt, ist verständlich.

          Weniger verständlich ist, dass sich die Verhandlungen fast ausschließlich um finanzielle Fragen drehen. Die Hochschulen stellen sich wie immer als chronisch unterfinanziert dar. Geradezu absurd erscheint der Gedanke, sie könnten jemals Geld ablehnen, um von bürokratischen Auflagen des Geldgebers verschont zu bleiben. Es scheint auch niemanden zu irritieren, dass die Verteilung des Geldes schon vor der Frage geklärt werden soll, wofür man es eigentlich ausgeben will. Bund und Länder, heißt es, hätten sich vorab darauf verständigt, dass eine öffentliche Debatte vor Ende der Verhandlungen verhindert werden soll. Aber was sollte eine danach?

          Eine Debatte im eigentlichen Sinne wird ohnehin nicht stattfinden. Der Pakt ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Dafür braucht es weder einen Beschluss des Bundestags noch der Länderparlamente. Es mag einige tapfere Proteststimmen aus der SPD-Fraktion geben. Doch obgleich der neue Pakt die Hochschulen über Jahre prägen wird, hält sich das Interesse der Öffentlichkeit in engen Grenzen.

          Die Lösung ist Teil des Problems

          Das unterscheidet den Pakt von seinen Ursprüngen. Der erste Pakt ging nämlich auf eine heftig debattierte Entscheidung der Kultusbehörden der Länder zurück. Die Einführung des G-8-Abiturs durch die Länder hatte Ende der zweitausender Jahre zu kurzfristigen Verdoppelungen der Abiturjahrgänge geführt, die mit den damals noch bescheidenen Mitteln des ersten Hochschulpakts aufgefangen werden sollten. Auch als die Länder das G 8 wieder kassierten, stieg das Finanzvolumen der folgenden Pakte stetig an. Zugleich erhöhte sich die Zahl der Studenten, was wiederum zu einer stetigen Verschlechterung des Betreuungsverhältnisses zwischen Professoren und Studenten führte.

          Die im gleichen Zeitraum umgesetzte Bologna-Reform verschärfte die Lage noch einmal. Denn die Hoffnung, dass nur das forschungsorientierte Drittel der Studenten nach dem Bachelor an der Universität bleiben würde, erfüllte sich bekanntlich nicht. Folglich wurde die Betreuung auch in den Master-Studiengängen schlechter.

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