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Kommentar zum Digitalpakt : Denn sie wissen nicht, was sie damit tun

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Viele Geschäftsideen, wenig durchdachte Konzepte: Einsatz von Tablets im Unterricht an einem Gymnasium in Magdeburg Bild: dpa

Der Fehler am Digitalpakt ist weder seine zögerliche Verabschiedung noch die Rücksicht auf den Föderalismus. Der Fehler ist das allseitige, gedankenlose Absingen von Zukunftsphantasien, das ihn begleitet.

          Mit großer Anstrengung ist gerade der Pakt zur Digitalisierung der Schulen zwischen Bund und Ländern geschlossen worden. Endlich, heißt es, sei nun der Weg in die schulische Zukunft, ja in die Zukunft überhaupt frei. Aber viel zu spät, schimpfen Kommentatoren. Seit dem ersten Versprechen von etlichen Milliarden für digitales Gerät, das vor zwei Jahren gemacht wurde, hätten zwei Millionen Schüler nicht mehr die Chance bekommen, damit zu lernen.

          Ein Korrespondent unseres gemeinsamen freien Deutschlandfunks, der Öffentlichkeit herstellt (nach Framing-Handbuch, Seite 21), tönt sogar, die Verspätung habe Politikverdrossenheit geschürt. Denn in den Klassenräumen würden die Laptops dringend benötigt. Ihr Fehlen führe jede Woche ohne Mittelabfluss aus Berlin unmittelbar zu Unbildung. Dass das Geld des Bundes nach wie vor nicht für Lehrerstellen ausgegeben werden dürfe, lasse sich Eltern nicht erklären. Aus Personalmangel und Geldnot würden in Berlin gerade unqualifizierte Quereinsteiger – lies: anstatt Laptops und Digitalpädagogen – auf die Kinder losgelassen: „Auf etwas Bildungshoheit der Länder würde mancher da gern verzichten!“

          Auf derlei Redensarten manche auch. Denn der Fehler am Digitalpakt ist weder seine zögerliche Verabschiedung noch die zu große Rücksicht, die dabei auf den Föderalismus genommen wurde. Der Fehler ist das allseitige, gedankenlose Absingen von Zukunftsphantasien, das ihn begleitet. Man muss heute in jedem Lebensbereich nur noch „Digitalisierung“ sagen, und schon meldet sich der Verstand zugunsten von Visionen ab. Tatsächlich gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass der Einsatz von digitalem Gerät Lernleistungen erhöht. Es gibt kaum durchdachte Konzepte, wie die Geräte eingesetzt werden sollen. Dafür gibt es jede Menge Geschäftsideen, Flyer der Software-Branche und der Didaktikindustrie sowie das bekannte haltlose Gerede vom individualisierten Unterricht.

          Von der Sekundarstufe an existieren zwar praktisch keine Schüler mehr, die nicht über digitales Gerät oder einen Zugang dazu verfügen. Die dringendsten Probleme an den Schulen liegen im Bereich elementarer Lerndefizite und Unkenntnisse, die nicht auf einen Gerätemangel zurückgehen; mitunter ganz im Gegenteil auf zu großer Verweildauer am unterhaltsamen Gerät. Dass die meisten Vorstellungen von der digitalisierten Schule für Schüler ohnehin nur die Rolle des Konsumenten (user) und bestenfalls des „kritischen“ Internetnutzers vorsehen, kommt hinzu. Wollte man das Programmieren flächendeckend zum Schulfach machen, wären die 5,5 Milliarden des Pakts eine Lachnummer. Aber so konkret denkt ja gar niemand. Hauptsache, irgendetwas wird endlich irgendwie digitalisiert.

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