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Digitalisierung der Schulen : Nicht für das Tablet, für das Leben lernen wir

  • -Aktualisiert am

Die technische Basis dafür sind Open Source und Hybrid-Cloud-Systeme. Das Betriebssystem ist Linux. „Open“ heißt dabei nicht kostenlos, sondern: Der Programmcode ist offen und nachvollziehbar. Eine Hybrid-Cloud ist, wie das Edge Computing, eine Kombination aus offenen und geschlossenen Netzwerken. In der offenen Cloud können Lehrkräfte und Schulverwaltung Daten und Material über die landesweiten Bildungsserver austauschen. Im geschlossenen Bereich an den Schulen laufen alle Programme für die Schüler, die im Schul-Intranet nur lokal Daten vom Schulserver abrufen, hochladen und austauschen können, ohne dabei auch nur ein Bit ins Netz zu verlieren.

... statt Open Educational Resources

Hybrid-Cloud-Lösungen sind das Gegenkonzept zur Plattformökonomie mit ihren Datensilos, die nicht erkennen lassen, was mit persönlichen Daten geschieht. „Open“ nennen sich auch die Materialien der Open Education Resources. „Open“ meint hier zumindest für einen Teil des Angebots zwar tatsächlich kostenloses Unterrichtsmaterial. Der im Kern emanzipatorische Gedanke wird aber in der Praxis oft durch Partikularinteressen unterlaufen, da bei solchen Web-Projekten in der Regel nicht nachvollziehbar ist, wer sie finanziert und welche Geschäftsinteressen hinter ihnen stehen. Der Sozialwissenschaftler Tim Engartner von der Universität Frankfurt berichtet, dass sechzehn der zwanzig umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands den Schulen kostenloses Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. „Der Kampf um die Köpfe der Kinder im Klassenzimmer ist somit voll entbrannt“, schreibt Engartner.

Open Educational Resources öffnen der Einflussnahme von Interessenverbänden auf den Unterricht Tür und Tor. Zu fordern ist daher wenigstens dreierlei. Bevor solches Material eingesetzt wird, muss die Finanzierung solcher Lehrmittel transparent sein. Zwingend ist zweitens die staatliche Prüfung dieser Materialien vor dem Einsatz als Lehrmittel an Schulen. So halten es gegenwärtig dreizehn der sechzehn Bundesländer mit Schulbüchern. Diese Prüfungen müssen auf alle Materialien einschließlich E-Learning-Software und Apps ausgeweitet werden. Zwingend ist drittens die Speicherung auf Landesbildungsservern, denn bei offenen Projekten im Netz wie Wikipedia können die Datensätze jederzeit geändert werden.

Sinnvoll wäre, dass Länder und Kommunen sich mit den Lehrerverbänden zusammensetzen und klären, welche Medientechnik und Infrastruktur aus Sicht der Schulen konkret gebraucht werden. Aufbauend auf bereits vorhandenen Strukturen wie den Landesbildungsservern sollten nichtkommerzielle digitale Bibliotheken, Materialsammlungen und Webservices weiterentwickelt werden, mit denen Lehrkräfte (und in höheren Klassen auch Schüler) staatlich geprüftes Material nutzen können. So wie man das Konzept für die technische Ausstattung von Schulen nicht einfach in die Hände der IT-Unternehmen legen kann, darf man weder den Inhalt noch den Verteilungsmodus von Unterrichtsmaterial den Märkten überlassen.

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