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Burckhardt und Hegel : Rendezvous mit dem Ungeist

Jacob Burckhardt, 1818 bis 1897 Bild: Picture-Alliance

Wohl 1948 hielt der Heidelberger Student Reinhart Koselleck ein Referat über Jacob Burckhardts Stellung zu Hegel. Das Manuskript liegt in Marbach. Eine Betrachtung zu Burckhardts 200. Geburtstag.

          Das Frühjahrsheft der „Zeitschrift für Ideengeschichte“ (C. H. Beck) ist Jacob Burckhardt gewidmet, dessen zweihundertster Geburtstag am Freitag dieser Woche gefeiert wird. Stefan Rebenich widmet sich der Burckhardt-Rezeption bis in die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und macht in einer Fußnote darauf aufmerksam, dass im Nachlass von Reinhart Koselleck (1923 bis 2006) im Deutschen Literaturarchiv Marbach ein Manuskript mit dem Titel „Jacob Burckhardts Stellung zu Hegels Geschichtsphilosophie“ liegt. Rebenich gibt an, dass sich diese Arbeit des Heidelberger Studenten mit Karl Löwiths „gleichnamigem Aufsatz“ aus der „Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“ von 1928 „auseinandersetzt“.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Die Auseinandersetzung hat nicht die Gestalt einer ausdrücklichen Erörterung von Löwiths Argumenten. Andererseits handelt es sich bei den zwanzig Seiten erst recht nicht um eine Paraphrase von Löwiths Abhandlung, dem identischen Titel zum Trotz. Koselleck behandelt das Thema eigenständig, entlang ausführlicher Quellenzitate, wobei er Burckhardts Ansichten hauptsächlich aus den „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ belegt. In einem 2013 gedruckten Gespräch mit Carsten Dutt meinte Koselleck sich zu erinnern, dass er den Text in Löwiths Seminar vorgetragen habe. Jan Eike Dunkhase, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Marbach und Autor einer Studie über „Reinhart Kosellecks historischen Existentialismus“, hält das schon deshalb für unwahrscheinlich, weil Löwith erst 1952 nach Heidelberg kam.

          Die Kultur ist das reflexive Element der sozialen Ordnung

          Mit einem Fragezeichen hat Koselleck später auf dem Titelblatt notiert, hier liege ein Referat bei Franz Joseph Brecht von 1948/49 vor. Für diese Datierung spricht das Verzeichnis der benutzten Literatur, das ausschließlich vor 1945 erschienene Titel enthält. Die „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ zitiert Koselleck nach dem Kröner-Taschenbuch und noch nicht wie später in seinen Veröffentlichungen in der Ausgabe Rudolf Stadelmanns von 1949. Am Ende der Bibliographie hat Koselleck eine Schrift verzeichnet, die ihm erst nach Abschluss der Niederschrift zu Gesicht kam: „Über Methode, Sinn und Grenze der Geschichtsschreibung in der Auffassung Jacob Burckhardts“ von Ernst Walter Zeeden, erschienen 1948. Löwiths Buch „Jacob Burckhardt. Der Mensch inmitten der Geschichte“ war Koselleck „nicht zugänglich“, wie eine Fußnote festhält. War das 1936 in der Schweiz gedruckte Werk 1948 in Heidelberger Bibliotheken noch nicht vorhanden? Wahrscheinlich war es ausgeliehen. Dem Manuskript des Referats liegt auch eine zweiseitige Übersicht der in Heidelberg vorrätigen Burckhardt-Literatur bei, und dort ist Löwiths Monographie unter dem Bestand des Philosophischen Seminars aufgeführt.

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