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Blumenberg-Tagung : Leistungsnachweis durch Abwesenheit

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Hans Blumenberg gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Nachkriegszeit. Bild: Picture-Alliance

Der Fallensteller verwischt seine Spuren: Eine Tagung an der Mainzer Akademie der Wissenschaften beschäftigt sich mit den literarischen Strategien des Philosophen Hans Blumenberg.

          Näher als die Emphase des Lobs lag Hans Blumenberg der Modus des Beschreibens. Wenn er jedoch lobte, etwa in einer Rede „Ernst Cassirers gedenkend“, dann aus der „Obligation, Menschliches nicht verloren zu geben“. Nichts verloren geben wollte auch eine Riege nicht nur jüngerer Literaturwissenschaftler, die sich in der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur versammelten, um unter dem Titel der „Leistungsbeschreibung“ das aus dem Nachlass heraus weiterhin anwachsende Werk des Philosophen wenn nicht zu erfassen, dann doch auf den Begriff zu bringen. Denn der Begriff, wie Blumenbergs Leser wissen, macht dingfest, was sonst zu entwischen droht. Das ist seine humane Leistung, die zu beschreiben sich Blumenberg mit den Mitteln der Phänomenologie und der Anthropologie, aber eben auch des literarischen Erzählens vornahm.

          Der Untertitel „Literarische Strategien bei Hans Blumenberg“ suggeriert ein Kämpferisches, das dem Denker in wie sublimierter Form auch immer nicht fremd war, wollte er auch gewiss nie ein „Stratege im Literaturkampf“ im Sinne Walter Benjamins sein. Auf der Tagung ging es denn auch eher um die Verfahren als um die großen Fragen selbst, denen damit zu Leibe gerückt wurde. Diese Konzentration bekam den Vorträgen jedoch in ihrer gegenseitigen Bezugnahme und stringenten Ausrichtung am Tagungsthema außerordentlich gut.

          Mit der Publikation von Kurt Flaschs großem Eckstein einer geistigen Biographie ist der Weg des frühen Blumenberg von einer mit „christlichem Existentialismus“ durchsetzten Phänomenologie zur Metaphorologie erstmals systematisch erfasst worden. Auf der Tagung nahm man nun die Metaphernstudien als Schlüssel zu Blumenbergs Beschreibungskunst, die in allen Wandlungen doch eine phänomenologische blieb. Blumenbergs Interesse, unterstrichen die Organisatoren Ulrich Breuer und Timothy Attanucci (beide Mainz), galt der nichtbegrifflichen Herkunft intellektueller Leistungen. Just den Begriff der Leistung habe er indes gebraucht, ohne ihn zu problematisieren.

          Der Sinn liegt nicht in der Mitteilung, sondern in der Erzählung

          Man könne hierin eine seiner vielen Versuche sehen, seine Spuren zu verwischen, in diesem Fall die der Absetzbewegung von Heidegger, dem „Leistung“ über das In-der-Welt-Sein nichts zu sagen hatte. Der im Hintergrund stets gegenwärtige Edmund Husserl hatte in seinem Spätwerk noch einmal den Leistungsbegriff zu retten versucht, indem er die Leistungen des Bewusstseins an die Fraglosigkeit der Lebenswelt zurückbinden wollte, aus der aber der Mensch, wie Blumenberg ihn auffasst, immer schon verstoßen ist. Seine Leistungen sind deshalb Kompensationen, Selbstbehauptungen, schließlich – wie Nathan Taylor (Frankfurt) bemerkte – Techniken, deren scheinbare Mühelosigkeit ihren Leistungscharakter ganz und gar vergessen lässt.

          Sprache sei, zitierte Hannes Bajohr (Berlin) Blumenberg aus dem Nachlass, „nicht entstanden, um zu beschreiben, sondern um zu bewältigen; das macht ihre Unbeholfenheit für eine so späte, ganz unlebensweltliche Aufgabe“. Dabei betonte Bajohr, dass die Wirklichkeitsbewältigung zum geradezu transzendenten Kriterium der Sprachleistung wird und auch deren Schwäche erklärt. „Mystik im Gewand der Sprache ist immer eine Paradoxie“, so Blumenberg. Dieses Versagen der Sprache am Unsagbaren habe auch das Scheitern Heideggers ausgemacht. Blumenberg habe folglich Wert auf eine Achtung dieser Grenzen gelegt, führte Ralf Köhne (Kiel) aus: Der Ausgang aus der Lebenswelt ist immer schon geschehen und entzieht sich der Beschreibung.

          Welchen Reim hat man sich angesichts dieser Grenzen auf die Urszenen der Menschheit zu machen, die sich Blumenberg ausdachte? Einschlägig ist die Ableitung des Begriffs aus dem Fallenstellen, also einer aus sicherer Entfernung vollzogenen Handlung an einem „nicht gegenwärtigen“ Gegenstand. Mit Kipling möchte man solche Geschichten „Just-so stories“ nennen, so einprägsame wie gewollt absurde Erklärungen dafür, wie das Kamel zu seinem Höcker kam oder der Leopard zu seinen Tupfen. Mit Blick auf die von Blumenberg geschätzte Gattung der Fabel legte Erika Thomalla (Berlin) überzeugend dar, dass deren Sinn für ihn nicht in der Mitteilung, sondern in der Erzählung gelegen habe. Das Epimythion der Fabel, ihre schlichte Moral, stehe im Gegensatz zu Offenheit und Variabilität ihrer Handlung. Hier wird „die Tiefe dessen verflacht, was, nur in der Nachdenklichkeit umfasst, nicht erfasst werden kann“.

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