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Open Access : Blinde Offensive

Das Hauptquartier der Europäischen Kommission in Brüssel Bild: dpa

Die europäische Forschungskommission will Wissenschaftler mit Sanktionsdrohungen zur Publikation in Open Access zwingen. Ein kopfloser Vorstoß, der den internationalen Verlagesmonopolen in die Hände spielt.

          Sieht so der europäische Kampf für Wissenschaftsfreiheit aus? Die Europäische Kommission und elf europäische Wissenschaftsorganisationen wollen die von ihnen geförderten Forscher zwingen, von Januar 2020 an nur noch Open Access zu publizieren. Andernfalls drohen ihnen nicht näher benannte Sanktionen. Wie die Umstellung in der hoffnungslos knappen Frist zu bewältigen ist, wird nicht verraten. Auch der schwere Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit, den die Maßnahme bedeutet, scheint die europäische Allianz nicht zu stören, er könnte aber bald die Verfassungsgerichte beschäftigen.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Der europäische Vorstoß wird wissenschaftliche Großmächte wie China und die Vereinigten Staaten freuen, die alle wissenschaftlichen Publikationen aus der EU gratis bekommen sollen und nicht im Traum daran denken, sich für das freundliche Geschenk zu revanchieren. Wie die europäischen Bürger, die dann freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen haben sollen, die sie mehrheitlich nicht verstehen, davon profitieren, wird man ihnen hoffentlich noch erklären. Vielleicht sollte man die Zahl der Citizen Scientists einmal messen, um zu sehen, wie wirtschaftlich diese Rechnung ist.

          Der europäische Vorstoß wirkt anachronistisch zu einer Zeit, in der die Schattenseiten von Open Access immer deutlicher hervortreten. Der Eklat um Raubverlage hat gezeigt, welche Gefahr von Journalen ausgeht, die an der wissenschaftlichen Qualitätssicherung vorbeiproduziert werden. Die mit Open Access einhergehende Umstellung vom Abonnementmodell auf die Autorengebühr hat die Raubverlage erst möglich gemacht.

          Gut geölte Lobbymaschine

          Deutsche Forschungsorganisationen sind in der europäischen Allianz nicht vertreteten. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung distanziert sich von Sanktionsdrohungen, die Deutsche Forschungsgemeinschaft verweist auf die steigenden Publikationsgebühren von Open-Access-Plattformen. Im Unterschied zur Europäischen Forschungskommission scheint man hier zu ahnen, dass Open Access am Ende nicht billiger, sondern teurer kommt. Und dass die Rendite ausgerechnet die internationalen Großverlage Elsevier, Springer und Wiley einfahren werden, die Wissenschaftler weltweit mit astronomischen Preisen erpressen. Freundliche Unterstützung leisten dabei die mehr als zweihundert deutschen Wissenschaftsorganisationen, die mit den Großverlagen unter Ausschluss der mittelständischen Konkurrenz eine Nationallizenz aushandeln. Sobald der Mittelstand ausgeschaltet ist, werden die Großverlage, deren Monopol eigentlich gebrochen werden sollte, noch besser an der Preissschraube drehen können.

          Open Access ist ein Kind der Internetgratiskultur und eine gut geölte Lobbymaschine, die so tut, als habe es die Kommerzialisierung des Internets nie gegeben. Das jüngste Produkt ist ein als Dokumentarfilm ausgewiesener Propagandafilm der von George Soros finanzierten Open Society Foundation. Der Film mit dem bezeichnenden Titel Paywall ist eine Feierstunde für Open Access, über steigende Produktionskosten und Monopoltendenzen wird kein Wort verloren. Die Zeitschriften wachsen auf den Bäumen, wie wunderbar! Die Rechnung für diese Blindheit werden die Großverlage präsentieren. Sie wird hoch sein.

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