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Biologieunterricht : Von und mit der Hummel lernen

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Kinderlieb: Die Dunkle Erdhummel lässt sich im Klassenzimmer halten. Bild: mauritius Images

Biologen der Universität Mainz haben ein preisgekröntes Unterrichtskonzept zum Artenschutz entwickelt. Das soll sich nun ausbreiten.

          Im Garten arbeiten und die Hände voller Matsch – das ist Unterricht, wie er den Sechstklässlern aus Mainz-Bretzenheim gefällt. Im Wahlpflichtfach Ökologie stellen sie im Garten der integrierten Gesamtschule „Saatbomben“ aus Tonpulver, Erde, Blumensamen und etwas Wasser her. Diese sollen die Schüler dann mit Einverständnis der Stadt auf Mainzer Grünflächen „platzen“ lassen, damit daraus heimische Wildblumen wachsen. Diese Aktion ist nur ein kleiner Teil des „Hallo Hummel!“-Projekts, an dem die Schule seit Februar teilnimmt. Am Beispiel der Hummel sollen Schüler dabei etwas über die Vielfalt von Wildbienenarten und ihre Gefährdung lernen.

          Am „Tag der Biene“, dem 20. Mai, wurde „Hallo Hummel!“ als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Die Grünen) übergab die Auszeichnung an Anne-Kathrin Sieg von der Johannes Gutenberg-Universität. Die Doktorandin nahm sie für die Arbeitsgruppe Didaktik der Biologie entgegen, die das Projekt organisiert und betreut. Die Dunkle Erdhummel dient dabei als Modellorganismus. In mehreren Modulen lernen die Schüler etwas über Bestäubung, Naturschutz und die Folgen des Bienensterbens. Sie betreuen ein Hummelvolk, das im Schulgarten angesiedelt wird, und lernen, wie es sich organisiert. Für einen begrenzten Zeitraum halten sie die Hummeln im Klassenzimmer und beobachten sie bei der Arbeit. Die Schüler haben die Insekten mit einem speziellen Stift markiert, um sie wiederzuerkennen, und ihnen Namen gegeben. Sieg hofft, dass sie dadurch einen persönlichen Bezug zu ihnen herstellen: „Dann empfinden sie die Hummeln viel eher als schützenswert.“ Die Idee zu dem Projekt hat die Siebenundzwanzigjährige schon in ihrer Masterarbeit entwickelt, in ihrer Doktorarbeit setzt sie diese nun in die Tat um. 2017 habe sie in einer Studie gezeigt, dass das Wissen von Schülern über Hummeln sehr begrenzt sei. „Zu dem Thema gibt es einfach noch keine erprobten Unterrichtsmaterialien.“

          Gerne belächelt

          Deshalb hat Sieg mit ihrer Gruppe selbst welche entwickelt, die den Schulen mit finanzieller Unterstützung des Fraport-Umweltfonds unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehört unter anderem ein Hummelhaus mit Flugarena, Broschüren zur richtigen Pflege und Fütterung, Anleitungsvideos und Begleithefte für Lehrer. An dem Projekt beteiligen sich drei Schulen mit mehreren Klassen der Jahrgangsstufen fünf bis sieben, zwei in Mainz, eine in Wiesbaden.

          In ein bis zwei Wochen werden die Hummeln samt ihrem Haus vom Klassenzimmer der Integrierten Gesamtschule Bretzenheim in den Schulgarten umgesiedelt. Danach sollen die Ergebnisse des Projektes ausgewertet und die Materialien so weiterentwickelt werden, dass auch andere Schulen diese in Zukunft nutzen können.

          Umweltdezernentin Eder verweist, als sie die Auszeichnung übergibt, auf einen UN-Bericht, laut dem eine Million Arten vom Aussterben bedroht seien. Projekte wie das von Anne-Kathrin Sieg gäben ihr trotz dieser schlechten Nachrichten Hoffnung, sagt die Politikerin. Projekte zum Schutz von kleinen Tieren wie Wildbienen würden oft belächelt. „Dabei sind es genau diese kleinen Projekte, die die Artenvielfalt erhalten.“

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