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Berliner Bildungsmisere : Ultimatum an die Schulsenatorin

Sandra Scheeres (SPD) beim Schulbesuch Bild: ZB

Das Mittagessen ist kostenlos, doch die Ergebnisse bei den Vergleichsarbeiten sind schlecht. Berlins Elternvertreter sind unzufrieden mit der Schulsenatorin Sandra Scheres und fordern einen Krisengipfel. Auch eine Drohung stellen sie in den Raum.

          Nirgendwo liegen Glanz und Elend in der Bildung so nah beieinander wie in Berlin. Während es den drei Universitäten als einzigem Universitätsverbund gelungen ist, den Exzellenzstatus zu erringen, liegt das Schulwesen danieder. Jedenfalls sieht das der Landeselternausschuss Berlin so, der die Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) zum Schuljahrsbeginn auffordert, einen Krisengipfel mit Bildungsverwaltung, Politik, Hochschulen, Gewerkschaften, Lehrerverbänden, Schülern und Eltern einzuberufen. Wann immer die Eltern versucht haben, mit einem der beteiligten Vertreter zu reden, schob der die Verantwortung auf andere. „Das muss ein Ende haben“, schreibt der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, und äußert dann eine handfeste Drohung: Sollte die Senatorin dieser Aufforderung nicht nachkommen, müsse der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) neben der Wissenschaftspolitik auch die Schulpolitik übernehmen und die Eltern stellten ihre Zusammenarbeit mit Scheeres ein.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Heise verweist darauf, dass die Schulsenatorin momentan nur „ein sozialpolitisches Guthaben“ in Gestalt kostenloser Bus- und Bahntickets, kostenloser Mittagessen für alle und Hortbetreuung für die ersten und zweiten Klassen vorweisen könne. Die Eltern seien „hochgradig unzufrieden mit der Bewegungslosigkeit beim Abschneiden Berlins in den Vergleichsarbeiten, bei der Schulabschluss-Quote und beim Thema Unterrichtsausfall“. Ganz gleich zu welchem Zweck der Vergleichstest „Vera 3“ (eigentlich als Rückmeldung an die Schule gedacht) entwickelt worden sei, wenn 30 Prozent der Schüler unterhalb der Mindeststandards blieben, sei das ein deutliches Alarmsignal. „Lesen, Schreiben und Rechnen sind die elementaren Grundtechniken, die im Grundschulalter erlernt werden müssen“, erklären die Eltern.

          Seit Jahren kündige der Senat Verbesserungen an, ohne dass sie sich in messbaren Verbesserungen niederschlügen. „Die Senatorin hat bei diesen Themen für uns ihre Glaubwürdigkeit verloren.“ Schönreden und Intransparenz seien keine Lösung. „Kritische Daten werden nur auf parlamentarische Anfragen, die teils mit Nachdruck betrieben werden müssen, veröffentlicht“, kritisiert Elternvertreter Heise. Die jährlichen Lernstandserhebungen, die Berlin nun plant, hätte man auch schon vor sieben Jahren machen können. Stattdessen werde die Zeit einer ganzen Generation verschenkt. Er wünscht sich, dass veröffentlicht wird, in welchen Bezirken und in welchen Schulformen die meisten Quereinsteiger, Seiteneinsteiger und Laufbahnbewerber (qualifizierte Lehrer) unterrichten. Auch die Anmeldedaten für die jeweiligen Schulen hätten die Eltern gern veröffentlicht. Denn sie halten die Begründung des Senats, kein Ranking unter den Schulen befördern zu wollen, für „fadenscheinig“. „Unserer Erfahrung nach gibt es dieses Ranking bereits und bestätigt es sich jedes Jahr mit leichten Schwankungen aufs Neue.“ Schulforscher sehen in Berlin auch in der mangelnden Wertschätzung von Anstrengungen der Schüler eine Ursache für die fehlenden Verbesserungen in den Schulleistungen.

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