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Bemerkenswerter Schulausflug : Der Große Krieg und die kleinen Kinder

Bild: Picture-Alliance

Was passiert, wenn eine engagierte Lehrerin mit Grundschülern das Grauen der Schlachten durchnimmt und zu den Schützengräben im Elsass reist.

          Spätestens auf dem Elternabend hätte die Sache schiefgehen können. Viele Vorhaben scheitern da, an den elterlichen Bedenkenträgern, die ihren Kindern nichts zutrauen. Die bleibende Schäden befürchten, weil die Kinder die Schrecken des Alltags nicht bewältigen können. Den Schulweg zum Beispiel oder schlechte Noten. Dann mit dem Ersten Weltkrieg zu kommen, in der vierten Klasse, ist natürlich eigentlich nicht zu verantworten. Es ist ein Wunder, dass niemand den Mund aufmachte, als das Gespräch darauf kam.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Das lag an Frau Neumann, der resoluten Frau Neumann, die schon so viel Herzblut in das Vorhaben gelegt hatte, dass es unmöglich und auch ein bisschen undankbar erschien, die Sache jetzt scheitern zu lassen. Frau Neumann ist jung und engagiert, der Zukunft zugewandt, aber nicht geschichtsvergessen. Ihr zu widersprechen, fällt schon Kindern schwer, den Eltern noch mehr. Außerdem freuten sich die Kinder schon so. Wer wollte da kleinlich sein? Es gab nur ein paar fragende Blicke, einige Mütter schnappten kurz nach Luft, als Frau Neumann auf das schwermütige Thema der Projektfahrt zu sprechen kam. Dann ging es weiter im Text, die Fahrt war gerettet.

          Deshalb ist dies auch die Geschichte darüber, warum man kluge Lehrer einfach mal machen lassen sollte, vor allen Dingen, wenn sie bereit sind, an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Denn Frau Neumann hatte Großes mit den Kindern vor, etwas, über das sie vorher und nachher noch lange reden sollten. Schon Anfang der vierten Klasse war der Brief an die Eltern gekommen. Eine ganz besondere Arbeitsgemeinschaft war an der Fried-Lübbecke-Schule geplant; so etwas hatte es an der kleinen Frankfurter Grundschule noch nie gegeben, wahrscheinlich auch nicht an besonders vielen großen. Ein Austausch mit einer französischen Klasse schwebte Frau Neumann vor, damit die deutsch-französische Freundschaft nicht nur ein leeres Versprechen bleibt, an das die Bundeskanzlerin hin und wieder erinnert, wenn sie den französischen Präsidenten Emmanuel Macron trifft. Oder wenn, wie an diesem Sonntag, 70 Staats- und Regierungschefs zu einem Friedensgipfel nach Paris kommen, am Tag des Waffenstillstands des Ersten Weltkrieges, vor genau hundert Jahren.

          Arbeit verdrängte das Spiel

          Freundschaft lebt nicht nur von großen staatsmännischen Gesten, sie lebt vor allem im Kleinen. Ein ganzes Schuljahr lang lernten also die kleinen Frankfurter, kaum zehn Jahre alt und wie in Frankfurt so üblich aus vieler Herren Länder, die Besonderheiten der deutsch-französischen Beziehungen kennen, was die Völker einst trennte und heute eint. Bald war auch eine Klasse aus der Nähe von Bordeaux gefunden, mit der sich ein Treffen in Colmar arrangieren ließ. Briefe gingen hin und her im radebrechenden Französisch. Die Eltern halfen, wo sie konnten. Es durfte mitmachen, wer wollte, und fernbleiben, wer nicht wollte. 18 Kinder wollten.

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