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Hitzephantasien : Eine kurze Geschichte sommerlicher Utopien

So ist es gedacht: Visualisierung des für 2019 geplanten Spreebades Bild: Adrian König/Realities United

Pünktlich zum Frühjahrsbeginn arbeitet man in Berlin daran, einen Teil der Spree zum größten Freibad der Welt umzubauen. Solche Ideen haben Tradition: Die großen Utopien waren immer Träume, die hohe Temperaturen verlangen.

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          Zum Frühling gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Meinungen: Für die einen kommen mit der einsetzenden Wärme sogenannte Frühlingsgefühle und andere euphorische Stimmungen auf, die anderen werden vom Gegenteil, der sogenannten Frühjahrsmüdigkeit, geplagt und hängen grimmig unter den knospenden Bäumen herum. Es ist wie mit dem Föhn, dem warmen Wind, der von den Bergen in die bayerischen Städte fegt und den einen Kopfschmerzen, den anderen Hochstimmung beschert. Die Mediziner haben es mittlerweile aufgegeben, irgendwelche Erklärungen dafür abzugeben, wie der Mensch an sich auf den Frühling reagiert, eben weil jeder anders reagiert. Dichter mögen den Frühling in der Regel, Fontane sieht „den schweren Traum“ des Winters abgeschüttelt, Mörike freut sich über das durch die Lüfte flatternde „blaue Band“, die Primaveraphobiker dagegen sind genervt von den hormonvollen Überschwänglichkeiten und beklagen die Folgen, die das frühlingshafte Aufplatzen der Dinge mit sich bringt: Das Cabrio, das aufknospende Auto, ist schlecht, weil nun die Musik, die der erregte Fahrer hört, ungebremst auf die Straße dröhnt, die kurze Hose ist eine Zumutung, weil sie die winterweiße Wade freigibt, die Sandale sowieso, weil das, was sie an die Luft lässt, der Fuß, halt so aussieht wie alles, was lange nicht an die Luft gelassen wurde: weiß, käsig, unappetitlich.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          In diesem Jahr stellten sich all diese Fragen sehr lange nicht, weil es so aussah, als ob der Frühling, der offiziell am 20. März begonnen hatte, einfach ausfallen würde: Während anderswo schon die Kirschblüte begonnen hatte, tauchte in Deutschland das Wort Frühling nur auf der gleichnamigen Quarkpackung auf, die Kinder suchten mit der Schneeschaufel nach Ostereiern, und jeden Morgen schaute man aus dem Fenster in einen energiesparlampenhaft matten Himmel und dachte über die Wahrscheinlichkeit der Möglichkeit nach, dass durch den Klimawandel der Frühling einfach ausfallen und die Temperaturen sich bis Ende Mai um den Gefrierpunkt einpendeln würden, während der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, der den in diesem Zusammenhang doppelt schönen Namen Gerhard Lux trägt, immer neue Negativrekorde zu Lichtmangel und Kälte vermeldete - keine hundert Stunden Sonnenschein seit Dezember! Seit mindestens dreiundvierzig Jahren der trübste Winter in Deutschland!

          Ein über siebenhundert Meter langes Schwimmbad

          Im Winter werden gern Dinge für ein sommerlicheres Leben gekauft: hauchdünne Kleider für Sommerpartys, die dann wegen Regen und Temperaturen unter 22 Grad nie stattfinden, Surfbretter, Rennräder, die Anfang Mai einen Platten bekommen, dann monatelang nicht geflickt werden und zusammen mit den anderen Trägern eines wärmeren, leichteren Lebens Anfang Oktober in den Keller verbannt werden. Und es sah so aus, als komme es in diesem Jahr wieder genauso.

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