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Historische Psychologie : Was Bücher über unser Wohlbefinden aussagen

Zeig mir Deine Bücher und ich sag Dir, wie Du Dich fühlst – sind Bücher Ausdruck des jeweiligen nationalen Befindens? Bild: RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Eine Big-Data-Analyse behauptet, dass sich die Zufriedenheit der Menschen sehr präzise aus der Literatur der jeweiligen Zeit ableiten lässt – und geht der Frage nach, welche Faktoren das subjektive Wohlbefinden historisch beeinflussen.

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          Mit dem Verständnis der Glückseligkeit schlagen wir Menschen uns schon lange herum. Ihre Relevanz ist unumstritten, sei es als höchstes Gut der Staatskunst oder als dasjenige Ziel allen Handelns, das wir nur um seinetwillen wollen, wie Aristoteles die Eudämonie dereinst zu fassen suchte. Allein: Zu präzisieren, was sie hinreichend definiert, ob es der Reichtum, die Gesundheit, die Erkenntnis oder innerer Gleichmut ist, das scheint uns heute so schwierig wie eh und je. Doch es gibt Hoffnung. Anders als noch vor wenigen Jahren sind wir heute nicht mehr allein auf die Kraft des Argumentes angewiesen, sondern können der Glückseligkeit ganz handfest mit empirischen Mitteln zu Leibe rücken.

          So wollen deutsche und britische Wissenschaftler nun eine Methode entwickelt haben, das subjektive Wohlergehen in seinem historischen Wandel messen zu können. Die These: Der affektive Wortgebrauch in Büchern ist ein Spiegel des allgemeinen Wohlbefindens ihrer Zeit. Millionen von Büchern der vergangenen zweihundert Jahre wurden für die in „Nature Human Behaviour“ erschienene Studie analysiert, die emotionale Wirkung von Wörtern auf den Leser ermittelt und deren Häufigkeit statistisch ausgewertet.

          Unbeeindruckt von der Wiedervereinigung

          Und tatsächlich stimmen die Ergebnisse zumindest mit den seit 1973 unabhängig durchgeführten expliziten Glücklichkeits-Umfragen überein. Auch zeigen sie Reaktionen in der Sprache der Bücher auf Kriege und innenpolitische Konflikte. In Deutschland beispielsweise hellten sich die literarischen Emotionen zum Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich auf, um dann auf ein Niveau zurückzufallen, auf dem seitdem und unbeeindruckt von der Wiedervereinigung der deutsche Buchmarkt zu verharren scheint. Anders im Vereinigten Königreich, Amerika und Italien, wo den Lesern seit den Siebzigern in zunehmendem Maße aufmunternde Worte gegönnt wurden.

          Sollte dies tatsächlich die nationale Zufriedenheit abbilden, so wäre die Frage nach der Glückseligkeit den Daten gemäß wie folgt zu beantworten: Das Wohlbefinden hängt in der Tat, doch nicht sehr stark, an Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Lebenserwartung. Konkret etwa: Das Glück, im Schnitt ein Jahr länger leben zu können, entspräche dem eines pro Jahr um 4,3 Prozent steigenden BIP. Doch wie kommen diese präzisen Informationen in die Bücher? Den Forschern zufolge sind es die Verleger, die aus ökonomischen Interessen eben nur das verlegen, was der Stimmung der Rezipienten jeweils entspricht – für den Rest sorgt Big Data. Mit anderen Worten: Wer sich fragt, wie es uns heute geht, der kann statt zum Psychologen auch auf die Buchmesse gehen.

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