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Hirnforschung : Hirnforscher warnen vor Eingriff in Persönlichkeit

  • -Aktualisiert am

Hölzernes Hirnschnittmodell im Dresdner Hygienemuseum Bild: dpa

Elf renommierte deutsche Neurobiologen haben ein „Manifest über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung“ vorgelegt und gefordert, Geistes- und Naturwissenschaftler müßten „gemeinsam ein neues Menschenbild entwickeln“.

          5 Min.

          Das Manifest wird am 19. Oktober in der Zeitschrift „Gehirn und Geist“ erscheinen. Es sagt voraus, daß der Titel der Zeitschrift bald seine provokante, kontrapunktierende Wirkung verlieren wird. Geist und Bewußtsein seien nicht vom Himmel gefallen, sondern hätten sich in der Evolution der Nervensysteme allmählich herausgebildet. Das sei vielleicht die wichtigste Erkenntnis der modernen Neurowissenschaften.

          Dies schreiben elf deutsche Hirnforscher in dem gemeinsamen Opus - und nicht irgendwelche Hirnforscher, sondern solche aus der ersten Reihe der deutschen Neurobiologie. Wolf Singer, Christof Koch und Gerhard Roth etwa, bekannt spätestens seit der Debatte um den freien Willen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch Angela Friederici, Sprechforscherin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, und Hannah Monyer, Heidelberger Pfadfinderin der Moleküle des Bewußtseins, sind vertreten, ebenso der Hirninformatiker Christoph von der Malsburg, der Lernforscher Henning Scheich aus Magdeburg. „Geist im Gehirn“ müßte die Zeitschrift wohl heißen, tritt ein, was die Autoren des Manifests vorhersagen: Wenn die Ergebnisse der Hirnforschung einer breiteren Bevölkerung bewußt werden, wird dies zu einer Veränderung unseres Menschenbildes führen, werden dualistische Erklärungsmodelle zunehmend verwischt.

          Auf dem Stand von Jägern und Sammlern

          Das Manifest geht über reine Behauptung und eine Vorwegnahme möglicher zukünftiger Forschungsergebnisse weit hinaus. Die elf breiten eine unvollendete Partitur aus, auf der das bereits Komponierte zu sehen ist, auf der Linien die Grenzen des tonalen Raums markieren und in der Skizzen des geplanten Gesamtwerks zu finden sind. Das „Manifest über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung“, wie es betitelt wird, erscheint als Meisterwerk des Wechsels von Dur und Moll. In Dur werden die bisherigen Leistungen der Neurobiologie geschildert. Auf der obersten Organisationsebene des Gehirns, also bei der Klärung, welche Areale für spezielle Leistungen zuständig sind, und auf der untersten Ebene, dem molekularen Geschehen, habe die Disziplin schon viel herausgefunden.

          Tomographen und Elektroenzephalographie (EEG) machten das Zusammenspiel der verschiedenen Hirnareale sichtbar, etwa beim Musizieren, bei der Handlungsplanung und beim Erinnern. Auch was in einem einzelnen der hundert Milliarden Neuronen passiere, werde immer deutlicher und immer besser modellierbar. Doch zur Beschreibung des Meso-Raums dazwischen wird Moll verwendet: Hier, wo das Gehirn quasi seine eigentliche Arbeit verrichtet, wisse man noch wenig und wisse vor allem nicht, wie man mehr herausfinden solle. Man befinde sich bei der konkreten Beschreibung des lebenden Gehirns, so die nüchterne Bilanz, "auf dem Stand von Jägern und Sammlern".

          Bewußtsein und Willen weiter Geheimnisse

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