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Hirnforschung : Das Abenteuer unseres Bewusstseins

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Meditierende wollen in dieser willentlichen Weltabgewandtheit ihr Inneres erforschen und zudem einen besseren Menschen aus sich machen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit meistens nach außen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Wir versuchen, die Welt analytisch zu durchdringen. Das unterscheidet uns.

Meditierende lassen sich weniger gut täuschen

Das mentale Training beeinflusst aber nicht nur die Hirnaktivitäten während der Übung, sie verändert bestimmte Hirnfunktionen dauerhaft. Menschen mit Meditationserfahrung weisen eine verkürzte Aufmerksamkeitslücke auf. Sie können ihre Aufmerksamkeit in viel kürzeren Abständen auf schnell aufeinanderfolgende Reize konzentrieren. Wenn wir älter werden, wird dieser „attentional blink“ immer länger. Wir brauchen immer mehr Zeit, um die Aufmerksamkeit auf den je nächsten Reiz zu lenken. Meditierende können dieser altersabhängigen Zunahme entgegenwirken. Ein siebzigjähriger Meditierender kann einen ebenso kurzen „attentional blink“ haben wie ein dreißigjähriger Mensch. Auch wurde eine Zunahme der grauen Substanz in Bereichen gefunden, die sich mit der Steuerung der Aufmerksamkeit befassen. Wenn man trainiert, verändert man Verschaltungen im Gehirn.

Ein anderer Effekt ist die Fähigkeit, Emotionen sauberer zu differenzieren. Wenn andere uns mit Gesichtsausdrücken täuschen wollen und etwa versuchen, freundlich auszusehen, aber eigentlich ärgerlich sind, dann schleichen sich Mikroexpressionen ein. Für kurze Momente drückt die Mimik den Ärger aus. Das führt bei uns unbewusst zu dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Menschen mit großer Meditationserfahrung können offenbar die extrem kurzen Expressionen weit besser wahrnehmen. Sie sind weniger täuschbar. Es ist noch unklar, ob sie die Mikroexpressionen besser wahrnehmen, weil sie einen reduzierten „attentional blink“ haben oder weil sie die Kontrolle von Emotionen besonders trainiert haben.

Wertvolle Erfahrungen

Die beiden Kulturen, die östliche und die westliche, haben sich komplementär entwickelt. Wir kümmern uns in unserer Extroversion vielleicht zu wenig um unser Innenleben. Doch bleibt die Frage, ob sich Konflikte allein dadurch bewältigen lassen, dass man sie kommen und gehen lässt und die Plattform seines Bewusstseins von negativen Affekten zu befreien sucht, das Gehirn in einen Zustand versetzt, der einer Lösung gleichkommt.

Unbestritten ist es erstrebenswert, sein Inneres kennenzulernen, eine bessere Kontrolle über seine Affekte zu erlangen, gute Gefühle zu trainieren und sie zu kultivieren, wie Empathie. Wertvoll ist auch die Erfahrung, dass sich solche Fähigkeiten üben lassen. Und nicht zuletzt sind meditative Praktiken ein äußerst wirksames Antidot gegen Fremdbestimmung, Extroversion und Hektik.

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