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Hintergrund : Sind so kleine Steine

Rohdiamanten - an vielen klebt Blut Bild: dpa

Was sind eigentlich Konflikt-Diamanten? Im neuen Bond-Film spielen sie eine zentrale Rolle.

          Diamanten lassen sich nicht mit abgeschlagenen Händen und Armen oder abgeschnittenen Nasen und Ohren aufwiegen. Denn so makaber es klingt: Derart viele Edelsteine gibt der Boden Sierra Leones gar nicht her, damit man sie mit all dem Fleisch und all den Knochen messen könnte, die im Laufe der Jahre zusammengekommen sind. Das weiß auch der 23Jahre alte Lehrer Jonah Dumbuya, dem die Rebellen der "Revolutionary United Front" (RUF) seinen rechten Arm und beide Ohren brutal "amputiert" haben. Als Dumbuya aber versuchte, den Wert eines Diamanten aus Sierra Leone zu beschreiben, wollte er vor allem an das viele Blut erinnern, das an jeder ungeschliffenen Pretiose klebt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zehn Jahre lang wurde in dem wohl ärmsten afrikanischen Land um die reichlich vorhandenen Bodenschätze gekämpft. Wer sich den RUF-Rebellen in den Weg stellte, wer nicht kooperieren oder fliehen wollte, wurde verstümmelt oder getötet. Mit Waffen, die aus den wohlhabenderen Ländern dieser Erde stammten und die der Rebellenführer Foday Sankoh unter anderem mit Diamanten bezahlte. Das war einfach, denn er besaß nicht nur den größten Teil der Ländereien, in denen die Steine gefunden wurden, und hatte gute Kontakte zu Diamantenhändlern in Belgien, in Großbritannien und in der Schweiz. Sankohs Ehefrau lebte zudem auch unbehelligt in den Vereinigten Staaten, wo sie Rohdiamanten für Hunderttausende von Dollars verkaufen konnte.

          Neues Zertifikat

          Einem Rohdiamanten sehen nur wenige Experten an, woher er stammt. Dieter Hahn, Chef der ältesten deutschen Diamant-Schleiferei Ph. Hahn Söhne und Präsident der Diamant- und Edelsteinbörse Idar-Oberstein, schätzt die Zahl derart qualifizierter Fachleute auf 4000. Das soll sich nun ändern. Denn mittlerweile scheint es nicht mehr opportun, mit Blut befleckte Diamanten zu verkaufen. Seit einigen Jahren setzen Nichtregierungsorganisationen wie "Global Witness" (London) und "medico international" (Frankfurt) die Edelsteinbranche mit Kampagnen wie "Fatal Transactions" unter Druck. Und sie haben Erfolg: Jeder Rohdiamant soll vom 1. Januar 2003 an mit einem Herkunftszertifikat ausgestattet werden. Anfang November fand das letzte Ministertreffen in Interlaken in der Schweiz statt, bei dem Politiker aus etwa 40 Staaten ein Papier beschließen wollen, das es ermöglicht, künftig den Handel mit sogenannten Blut-Diamanten zu erschweren, wenn nicht sogar zu unterbinden.

          Die Herkunft der Steine interessierte bis vor wenigen Jahren im Grunde niemanden. Gekauft wurde, was auf den Markt kam. Diamanten aus Sierra Leone und dem Kongo, genauso wie aus dem Bürgerkriegsland Angola. Drei Jahrzehnte lang wurde in der ehemaligen portugiesischen Kolonie gekämpft. Zunächst um die Unabhängigkeit, dann um Ideologien und fast immer um Bodenschätze. Allein zwischen 1992 und 1998 erzielte die von Jonas Savimbi geführte antikommunistische Unita mit Diamantenverkäufen Gewinne von 3,7 Milliarden Dollar. Finanziert wurden davon Waffen, mehr als 500.000 Menschen starben.

          Weltmarktanteil der Blut-Diamanten: 4 Prozent

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