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Hintergrund : Die Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek und ihre Geschichte

  • -Aktualisiert am

Im Rokoko-Saal der Bibliothek Bild: dpa

Einst hatte Goethe höchtspersönlich hier die Oberaufsicht inne: ein Überblick über die mehr als dreihundert Jahre währende Geschichte der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek.

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          Der altehrwürdige Name der Anna-Amalia-Bibliothek entstammt dem Allerneuesten, denn erst seit Nachwendezeiten trägt das Bücherschloß im Zentrum Weimars den Namen seiner wichtigsten Patriotin. Die längste Zeit firmierte die Sammlung unter der spröden Bezeichnung einer Herzoglichen, nach den Gebietsreformen des neunzehnten Jahrhunderts dann Großherzoglichen Bibliothek.

          Seit 1885 steht sie in nachbarschaftlicher Konkurrenz zum Goethe- und Schiller-Archiv. Als Thüringische Landesbibliothek ging sie aus dem Ersten, auch aus dem Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet hervor, bis sie in den siebziger Jahren ihre Selbständigkeit verlor und mit anderen Sammlungen zur Zentralbibliothek der deutschen Klassik vereinigt wurde.

          Die Wechselfälle einer mehr als dreihundertjährigen Bibliotheksgeschichte dokumentiert ein reich bebilderter Band der Stiftung Weimarer Klassik, den man zu den bemerkenswerten Hervorbringungen des "Kulturstadt"-Jahres zählen darf. Aus detailgespickten Epochendarstellungen und thematischen Exkursen formiert sich eine Institutionsgeschichte im doppelten Sinne.

          Glückliche „Erwerbungspolitik“

          Wie keine zweite Einrichtung repräsentierte die Herzogliche Bibliothek im Profil und Zuwachs ihrer Bestände die zu Zeiten überaus glückliche "Erwerbungspolitik" des mitteldeutschen Kleinstaates Sachsen-Weimar. Da die Bibliothek Bau- und Ideengeschichte, politische und künstlerische Impulse bündelt, erfordert ihre Historie Querschnitte durch die Weimarer Kultur, die der Band, trotz der etwas bürokratisch gehaltenen Tonlage manches Beitrags, durchaus zu bieten hat.

          Hinter der verwaltungstechnisch gefaßten Einheit des Gegenstandes verbirgt sich ein "archäologisches" Problem: Wann und wie beginnt eine Büchersammlung, "Bibliothek" zu sein? Die Anfänge sind so unspektakulär, daß spätere Chronisten bei der Angabe eines Gründungsdatums in Verlegenheit geraten sollten.

          Seit 1650 ein festangestellter Bibliothekar

          Um 1630 zählt ein erstes Inventar der Büchersammlung von Herzog Wilhelm dem Vierten ganze 87 Bände, zwanzig Jahre später schien bereits ein festangestellter Bibliothekar vonnöten. Im Jahre 1691 wurde die "mit Büchern jeder Art ausgestattete" fürstliche Kammerbibliothek im Residenzschloß, der barocken Wilhelmsburg, der Öffentlichkeit zugänglich. Dieser Schritt brachte sie der Conditio sine qua non einer Bibliothek schon näher, die weder im Namen noch im eigenen Gebäude liegt, sondern in einer gestrengen Benutzerordnung.

          Zur selbständigen Einrichtung avancierte die Herzogliche Bibliothek mit dem Aufschwung des Weimarer Musenhofes. Die Berufung Wielands zum Prinzenerzieher 1772 durch Herzogin Anna Amalia bildete den Auftakt der Ansiedlung künstlerischer und intellektueller Geister zu einer beispiellosen Verdichtungszone kultureller Produktivität.

          Umsiedlung ins Grüne Schloß

          Voraus ging ihr bereits in den sechziger Jahren die Umsiedlung der Bibliothek in das dafür umgebaute Grüne Schloß gegenüber dem Stadtschloß. In diesem hohen, schmalen Gebäude ist sie noch heute untergebracht. Anna Amalia hatte bei der geplanten Vergrößerung der Bibliothek das ihr vertraute Wolfenbüttel vor Augen. Die mit dem Umbau beauftragten Baumeister Georg Schmid und Friedrich Straßburger orientierten sich an der Saalform der spätbarocken Klosterbibliotheken und vor allem des protestantischen Kirchenbaus, etwa der von Schmid mitgestalteten Dresdener Frauenkirche.

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