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Wahlkampf in Amerika : Weiblicher Weitblick statt Wählerwut

Nicht immer charmant, dafür konsequent: Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Bild: AP

Deutschland wieder stark machen mit Populismus, Alternative für Amerika mit Donald Trump – überall tobt die Stimmung, nur eine hat bislang kein Verständnis dafür: die Bewerberin Hillary Clinton.

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          Steht die Frau, die sich derzeit ums höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt, links? Will sie das Land dorthin ziehen, schubsen, überreden? In Europa fragt man gerne so, aber ein Land, in dem große Städte verfaulen, während seine Außenpolitik unter der Überanstrengung der Weltordnungsanmaßung zu zerreißen droht und seine Wirtschaft sich immer noch die Augen reibt, weil die Erwartung eines New-Economy-getriebenen krisenfreien Wachstums im globalisierten neuen Jahrtausend verkehrt war – so ein Land kann über Weltanschauungsfragen nicht mehr reden, sondern nur noch brüllen wie Donald Trump oder predigen wie Bernie Sanders.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Gesinnungslinke, die’s drüben durchaus gibt, dürfen einige Vorbehalte gegen Hillary Rodham Clinton geltend machen. Ihr Energiekonzept könnte in Sachen Fracking konsistenter sein, die Nonchalance, mit der sie den Krieg in Afghanistan nach dem Verfall des Terrorbekämpfungsmandats als Außenministerin zur allgemeinen Menschenrechtsexpedition erweitert hat, wirkt patzig, wenn sie heute eine Art „Wo wir schon mal da waren“-Position vertritt, und ihr Vergleich Putins mit Hitler anlässlich der Ukraine-Krise war keine Friedensinitiative der Vernunft.

          An der Kreuzung von politischer Macht und Geld?

          Medien und politische Gegnerschaft aber greifen sie interessanterweise kaum wegen derlei an, sondern bringen erheblich Langweiligeres vor. Der gescheiterte republikanische Präsidentschaftskandidat, Unternehmensberater und sittenkonservative Mormone Mitt Romney zum Beispiel hat ihr neulich im Einklang mit einer verbreiteten Zeitstimmung publikumswirksam vorgeworfen, sie sei „an der Kreuzung von politischer Macht und Geld zu Hause“, ohne allerdings zu erwähnen, dass sie sich an dieser Kreuzung seit Jahrzehnten vor allem als politische Verkehrspolizistin verdient gemacht hat, die für die Gewohnheitsvorfahrt des Großeigentums jedenfalls nicht zu haben ist.

          Kann sie das aber auch vermitteln? Diese oft geäußerte Sorge vermisst an Frau Clinton Empathie, Herzlichkeit, Mütterlichkeit. Man wirft ihr vor, sie richtete ihre Politik nach instrumentellen Berechnungen aus, statt den Leuten zum Geburtstag einen Früchtekorb mit kostenloser Bildung und Frieden auf Erden zu versprechen wie der zornige Zausel Bernie Sanders, den die jungen Menschen, Akademiker, städtischen Kreativen und unpolitischen Sympathienaschkatzen lieben.

          Realpolitik obsiegt gegen Weihnachtsmann

          Schwarze, einkommensschwache demokratische Wählerinnen und Wähler in den Südstaaten dagegen wissen zwar sehr genau, dass Hillary Clinton nach Macht, Geld und Technokratie riecht, halten sich aber bei den Vorwahlen bis jetzt aus hart erarbeitetem Realismus die Nasen zu und machen das Kreuzchen bei der Realpolitik statt beim Weihnachtsmann. Wer so üble Jobaussichten hat wie die schwarze Jugend, wer Gefahr läuft, von der Polizei beim Herumlungern erschossen zu werden, gibt manchmal wenig auf Charisma und viel auf Programmatik, die aus politischem Verhalten – „the record“ – abgeleitet werden kann.

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