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Hillary Clinton im Interview : Diese Wut kann sehr nützlich sein

Mrs. Clinton in Berlin Bild: Hans Christian Plambeck/laif

Was haben Europäer und Amerikaner einander noch zu sagen? Hillary Clinton, frühere Außenministerin der Vereinigten Staaten, über die Schönheit von Intrigen und die Wut Angela Merkels.

          7 Min.

          Es ist ein heißer Tag in Berlin, und auch Hillary Clinton gibt sich weit weniger kühl, als man sie aus dem Fernsehen zu kennen glaubt. Sie ist nach Berlin gekommen, um ihr Buch „Entscheidungen“ zu präsentieren, am Vormittag haben ihr tausend meist junge Menschen im Schillertheater applaudiert. Entsprechend ist ihre Laune, und auch der Hinweis, dass jetzt die Interviewer aus der „Arts and Culture Section“ kommen, schreckt sie nicht.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Mrs. Clinton, alle Ihre Mitarbeiter sind nett und fair. Das steht jedenfalls in Ihrem Buch. Ist „House of Cards“, die amerikanische Fernsehserie über den durch und durch verdorbenen Politikbetrieb, also eine Lüge?

          Die Serie erinnert an Shakespeare. Sie ist eine sehr starke Übertreibung dessen, was ich in Washington erlebt habe. Das heißt nicht, dass es in der Politik nicht immer wieder auch abstoßende Leute gibt; dass es nicht große Kämpfe gegeben hätte, Duelle und Schlägereien, im neunzehnten Jahrhundert zum Beispiel. In jüngster Zeit gab es so etwas aber nicht.

          Darf man in einer Intrige in der eigenen Partei auch eine gewisse Schönheit entdecken? Und einen Unterhaltungswert?

          Vielleicht nicht so sehr, wenn es in der eigenen Partei stattfindet, eher, wenn man es bei den anderen beobachten kann: wenn die Republikaner sich mit der Tea-Party-Bewegung herumschlagen. Das sind Dramen, das ist die menschliche Natur, das ist nicht selten der Stoff von Tragödien. Zugleich ist es aber eine sehr ernste Angelegenheit, bei der es darum geht, wer in unserer Regierung Entscheidungen verantwortet, die das Leben vieler Millionen Leute betreffen.

          Wann werden Sie uns verraten, ob Sie kandidieren wollen?

          Am Ende des vierten Aktes.

          Ihrem Buch zufolge ist die Politik ein Schlachtfeld zwischen den Geschlechtern. Frauen müssen viel härter um die Macht kämpfen als Männer.

          Sie werden völlig anders wahrgenommen. Äußerlichkeiten spielen immerzu eine Rolle: wie sie sich anziehen, was für eine Figur sie haben, vor allem die Frisur.

          Was haben die Leute nur mit den Haaren?

          Sie sind der Teil des weiblichen Körpers, den eine Frau nach Belieben verändern kann. Da wird dann alles Mögliche hineininterpretiert.

          Ist die Wahrnehmung bei Männern anders? Als Barack Obama neu war, sprachen auch alle darüber, wie gut er aussah. Womöglich reden wir insgesamt zu viel über das Aussehen.

          Da stimme ich vollkommen mit Ihnen überein. Wir sollten uns sehr viel mehr für das interessieren, was Menschen sagen, als dafür, wie sie aussehen.

          Sie kennen das Video von Barack Obama, in dem er die ersten Takte von Al Greens „Let’s stay together“ singt.

          Natürlich.

          Hillary Clinton mit Mitarbeitern in der Salsa-Bar

          Wenn Sie das sehen, haben Sie das Gefühl, dass es ein Jenseits des Politischen gibt – und dass es gut für die Politik ist, davon ein Bewusstsein zu haben?

          Ja, und es gibt viele Wege, das zum Ausdruck zu bringen. Sie wissen, mein Mann Bill spielt Saxophon. Als er für die Präsidentschaft kandidierte, spielte er Saxophon in einer Fernsehshow. Die Leute entscheiden sich nun mal für oder gegen jemanden aus Gründen, die sie sich selbst aussuchen. Sie können sagen: Das ist eine attraktive Person, die wähle ich. Ich mag ihre Frisur nicht, deshalb wähle ich sie nicht. Ich teile ihre Ansichten über Wirtschaft nicht. Man ist ständig zu sehen, in den besten Momenten, in den schlimmsten. Immerzu gibt es Informationen. Als Bill Saxophon spielte, war das für die Menschen eine Möglichkeit, ihn besser kennenzulernen. Es zeigte den ganzen Charakter.

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