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Hilferuf aus San Francisco : Wer hält Google auf?

  • -Aktualisiert am

Finanzielle Macht für politische Projekte

Die vielen Lakaien vom Silicon Valley könnten hier für eine Monokultur sorgen. In einigen Vierteln ist es schon so weit. Jemand, der in der Dotcom-Blase ein Vermögen machte und in den Mission District zog, sorgte unlängst mit seinem Blog-Eintrag „San Francisco wird von Kotzbrocken wie euch ruiniert“ für Aufsehen. Er schilderte die Rücksichtslosigkeit der Jungen und Superreichen gegenüber Älteren, Armen und Nichtweißen: „Im Bus sieht man, wie ein junger Typ widerwillig seinen Platz einer älteren Frau überlässt und dann laut zu seinen Freunden sagt: ,Ich weiß nicht, warum die alten Leute mit dem Bus fahren. An ihrer Stelle würde ich Uber nutzen.’“ Auch ich musste mich erst informieren: Uber.com ist ein Limousinen-Dienst, den man per Smartphone-App reserviert.

“Ein Zustrom von IT-Leuten bedeutet, dass mehr für die Kunst getan wird“, jubelte ein Autor auf Pando, dem Informationsportal des Silicon Valley, aber von diesen grandiosen Mäzenen ist bislang weit und breit nichts zu sehen. Wie eine alternative Wochenzeitung schrieb: „Die IT-Welt ist generell wenig spendenfreundlich. Laut dem Chronicle of Philanthropy arbeiteten 2011 nur vier der fünfzig größten Spender im IT-Bereich, obwohl dreizehn der fünfzig reichsten Amerikaner laut ,Forbes’ im Jahr 2012 ihr Vermögen teilweise oder ausschließlich im IT-Bereich gemacht haben.“ Diese Leute halten sich für Förderer der Kunst, doch die Realität sieht anders aus. In San Francisco gibt es keinen Trickle-down-Effekt, Bedürftige oder Kulturprojekte können nicht mit nennenswerten Spenden aus diesen Vermögen rechnen.

Der Neu-San-Franciscoer Mark Zuckerberg verfolgt nur seine eigenen Interessen. In diesem Jahr gründete er FWD.us, eine Lobbygruppe, deren Ziel eine Reform der Einwanderungsgesetze ist, damit das Silicon Valley leichter ausländische IT-Fachleute anheuern kann. FWD.us argumentiert nicht ideologisch, sondern nur mit Nützlichkeitserwägungen. Man will die eigene finanzielle Macht für politische Projekte einsetzen, in der Hoffnung, dass das zu vorteilhaften Gegenleistungen führen wird. Zu diesem Zweck wurden Anzeigen zugunsten der Keystone XL-Pipeline geschaltet (die extrem dreckiges Öl aus kanadischem Teersand an die Golfküste transportieren soll), für die sich ein republikanischer Senator einsetzt, und weitere Anzeigen zugunsten von Ölbohrungen im Arctic National Wildlife Refuge, für die ein Demokrat in Alaska eintritt.

Technologiekritik stößt auf Empörung

Die Botschaft: Im Kampf für die eigenen Interessen ist alles erlaubt. Der neunundzwanzigjährige Milliardär, einer der reichsten Amerikaner, schert sich nicht um die Auswirkungen dieser ökologisch umstrittenen Projekte. (Fairerweise muss man erwähnen, dass Elon Musk, Mitgründer von Paypal und Elektroauto-Mogul, bei FWD.us ausgestiegen ist.) Zuckerberg und seine Kollegen forcierten Dinge, die ihnen nichts bedeuten, und demonstrierten, dass sie überhaupt nur interessiert, was ihren Unternehmen nützt und noch mehr Profit einbringt. Hier, wo 1892 der Sierra Club gegründet wurde und viele Leute umweltbewusst sind, kam das nicht sonderlich gut an. Es gab Protestkundgebungen vor der Facebook-Zentrale und auf Facebook.

Die zunehmende Technologiekritik in San Francisco stößt bei vielen Mitarbeitern des Silicon Valley auf Empörung und Unverständnis. Sie klingen wie jene Militärstrategen, die vor zehn Jahren nicht verstehen konnten, dass die Iraker ihre Invasion nicht bejubelten.

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