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Hilferuf aus San Francisco : Wer hält Google auf?

  • -Aktualisiert am
Andere Werte: San Francisco, Stadtteil North Beach

Ein gewisser Ilan Greenberg wies uns in der „New Republic“ darauf hin, dass Kritik an dieser Entwicklung lächerlich sei: „Interessanterweise sind es die Gentrifizierungsgegner selbst, die das liberale Ethos von San Francisco aushöhlen. Intoleranz gegenüber Zugezogenen? Misstrauen gegenüber Menschen, deren Werte man nicht versteht? Kritik an jungen Leuten, die sich nicht an den Idealen einer älteren Generation orientieren? Das klingt alles sehr reaktionär und kleinkariert.“ Das Problem ist, dass uns die Ideale des Silicon Valley nur allzu bekannt sind und dass sie vielen von uns nicht gefallen. Gegen Zuzug wäre ja nichts zu sagen, wenn viele von uns Alteingesessenen nicht verdrängt würden. Mit „uns“ meine ich jeden, der nicht für einen IT-Riesen arbeitet oder für eine der kleineren Firmen, die gern ein globaler Monolith werden wollen.

Greenberg (der übrigens für eine Publikation schreibt, die still und leise von einem Facebook-Millionär aufgekauft wurde) verhöhnt uns, weil wir für Angehörige der Mittelschicht eintreten, aber „Mittelschicht“ ist nur ein Wort für all diejenigen, die für ihre Arbeit anständig bezahlt werden. Leute, die in den verschiedensten Berufen arbeiten und unterschiedliche Einkommen beziehen, werden in San Francisco von denjenigen verdrängt, die in einem einzigen Bereich arbeiten und alle extrem gut verdienen.

Die Mieten explodieren

Sean Parker, Gründer von Napster und Spotify, schmiss unlängst für zehn Millionen Dollar eine Hochzeitsparty unweit eines Naturschutzgebiets in Big Sur. Auf dem zweckentfremdeten Campingplatz wurde eine riesige Märchenkulisse mit Burgruinen, Tanzflächen, Torbogen und künstlichem Teich errichtet, was mit massiven Umweltschäden einherging. Das Bußgeld in Höhe von 2,5 Millionen Dollar dürfte Sean Parker nicht geschmerzt haben. Napster und Spotify sind übrigens Internettechnologien, die dazu geführt haben, dass Musiker kaum noch etwas an ihren Platten verdienen. Natürlich gibt es steinreiche Musiker; aber viele sind bestenfalls Mittelschicht und dank Sean Parker vielleicht noch etwas schlechter gestellt.

Lehrer, Staatsbedienstete, Busfahrer, Bibliothekare, Feuerwehrleute - das sind ja nicht nur Angehörige der bedrängten Mittelschicht, sondern auch diejenigen, ohne die eine lebendige Stadt nicht funktionieren kann. Freunden von mir - Malern, Dichtern, Filmemachern, Fotografen, die allesamt zum kulturellen Leben von San Francisco beigetragen haben - ist gekündigt worden, damit Reiche ihren Platz übernehmen können. Es besteht die verbreitete Ansicht, dass Verteidiger von Kultur privilegierte Weiße verteidigen, doch das würde unterstellen, dass Nichtweiße und Arme keine Künstler sind. Hier sind sie es.

Wenn ein Musiker - ob Hiphop oder klassisch - sich keine Wohnung mehr leisten kann, dann ist allen klar, dass auch eine Putzfrau keine bezahlbare Wohnung mehr findet. Und die Nachfrage ist so groß, dass niemand von meinen Freunden und Bekannten etwas findet. Ich habe nichts gefunden, als ich 2011 hierherkam. Eine befreundete Ärztin, die in diesem Jahr nach San Francisco zog, konnte nichts finden. Die Tech-Kids bezahlen die Miete für ein Jahr im Voraus, wenn sie nicht ohnehin viel mehr bieten, das Wohnungsangebot wird immer knapper, und die Mieten explodieren.

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