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Hetze gegen Einwanderer : Polenpolder

  • -Aktualisiert am

Islamhass war gestern, jetzt sind die Zuwanderer dran. Auf einer Website können sich Holländer über Osteuropäer beschweren. Der Initiator Geert Wilders mutiert damit zur Witzfigur.

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          Dass Geert Wilders mit seiner „Partij van de Vrijheid“ eine Website für Klagen über osteuropäische Zuwanderer eröffnet hat, mag daran liegen, dass der Rechtspopulist mit seinem Fremden- und Islamhass nicht mehr im politischen Trend liegt. Wäre jetzt Wahl, könnte die ultralinke Sozialistenpartei eventuell sogar den Premierminister stellen. Deren Spitzenkandidat, der joviale Brabanter Knuffelbär Emile Roemer, hat mit viel Humor und Grundsatzkritik am Neoliberalismus Wilders längst den Rang abgelaufen und ist der populärste Politiker.

          Damit also Wilders nicht in der Versenkung verschwindet, müssen jetzt die Polen als Sündenböcke herhalten. Trotz aller entgeisterter Kritik von Den Haag und Brüssel bis Warschau will Wilders aber an seiner „phantastischen Website“ festhalten: Über vierzigtausend Klagen seien bereits gegen osteuropäische Kriminalität, Lohndumping und schlechtes Benehmen eingegangen. Man möchte das alles im Detail lieber nicht lesen, doch es zeugt von Wilders’ neuer Linie, das Islam-Bashing zurückzustellen und den Sozialstaat gegen neue Zuwanderer abzudichten.

          Ein „Tsunami billiger Arbeitskräfte“

          Dass gerade die hunderttausend Polen in Holland mit ihrer Drecksarbeit auf dem Bau und den Gemüsefeldern dem Land Milliardengewinne bescheren, dass polnische Regimenter 1944 bei der Schlacht um Arnheim entscheidend mitgekämpft haben, dass Polen 1980 und 1989 heldenhaft den Kommunismus abschüttelten und jetzt bereits ökonomisch konkurrenzfähiger und fleißiger produzieren als die Niederländer - das halten beschämte Landsleute dem Provokateur Wilders nun vor. Hier ist im Schatten der Schlagzeilen ein Kulturkampf entbrannt, der zuletzt in der Konfiskation holländischer Tulpen an der rumänischen Grenze gipfelte, weil Wilders die Rumänen aus der Schengen-Zone fernhält.

          Während Wilders weiter von erschreckend vielen Wohnungseinbrüchen redet (die naturgemäß nur mit osteuropäischen Brecheisen möglich sind), während er einen „Tsunami billiger Arbeitskräfte“ in den Polder einfallen sieht, mutiert er zur Witzfigur. Der Schriftsteller Ernest van der Kwast schlug im „NRC Handelsblad“ der „Freiheitspartei“ vor, doch auch eine Petz-Website gegen faule Neger oder begriffsstutzige Blondinen einzurichten. Und dem windelweichen Premierminister Rutte, der von Wilders’ Stimmen im Parlament gestützt wird und deshalb lieber den Mund hält, legte van der Kwast eine geniale Idee nahe. Immerhin zehn osteuropäische Botschafter haben sich bei der Regierung über die elektronische Klagemauer beschwert. Das könnte Rutte doch bei Wilders melden, als eine dieser Unverschämtheiten aus dem Osten.

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