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Intendantenwahl beim HR : Wen die Findungsrunde findet

Wer beerbt den HR-Intendanten Manfred Krupp? Am 29. Oktober soll der Rundfunkrat des Senders eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger wählen. Bild: dpa

Bei der Intendantenwahl im Hessischen Rundfunk stehen zwei Kandidaten zur Abstimmung. Die Frage ist, wie es auf diese beiden hinauslief. Wer vorher aussortiert wurde und warum.

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          Wie wird man Intendantin oder Intendant eines öffentlich-rechtlichen Senders? Man bewirbt sich, wird zur Wahl vorgeschlagen und von den Rundfunkrätinnen und Rundfunkräten gewählt. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn vor der Wahl gibt es eine Vorauswahl, durch die sich das Bewerberfeld lichtet. In der Regel besorgt das eine Findungskommission. Die spannende Frage ist, wie nachvollziehbar und transparent sich deren Wirken gestaltet – vor allem gegenüber den Mitgliedern des Rundfunkrats. Denn diese – als Vertreter der Allgemeinheit, der Rundfunkbeitrag zahlenden Bürger – sollten wissen, wer warum zur Wahl steht und wer nicht.

          Die Auskunft, die wir vom Vorsitzenden des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks und Chef der Findungskommission, Rolf Müller, zur für den 29. Oktober angesetzten Wahl eines HR-Intendanten erhalten haben, ist leider etwas kryptisch: Zehn Bewerber habe es gegeben, „in einem mehrstufigen Prozess“ habe die Kommission die beiden „bekannten Bewerber ausgewählt“ – die HR-Betriebsdirektorin Stephanie Weber und den stellvertretenden ARD-Programmdirektor Florian Hager – und schlage diese zur Wahl vor. Doch was ist mit den anderen acht?

          Die Qual der Intendantenwahl

          Der Rundfunkratsvorsitzende bittet um „Verständnis, dass ich über andere Kandidaten, die in den Prozess involviert waren, keine weiteren Angaben machen kann“. Das Verständnis könnte man haben, wüsste man nicht, dass eine unabhängige Kandidatin wie die hier zuletzt vorgestellte Filmemacherin Ina Knobloch nicht mal zu einem Gespräch geladen wurde. War dafür in dem „mehrstufigen Prozess“ keine Zeit? Es wäre gut, würde man den Eindruck zerstreuen, die Findungsrunde sei berufen worden, um die „richtigen“ Kandidaten durchzubringen.

          Wir haben bei öffentlich-rechtlichen Sendern oft genug erlebt, dass die Qual der Intendantenwahl in Politspielchen und darin besteht, eine hinter den Kulissen arrangierte Berufung zu bestätigen. Im ZDF gab es zuletzt das Politgeschacher zweier „Freundeskreise“: Der „rote“ Kreis wurde darauf eingeschworen, zuerst die Kandidatin Tina Hassel zu unterstützen, um dem dann doch gewählten Kandidaten Norbert Himmler die Instrumente zu zeigen. So sollte das im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht laufen. Auch nicht beim HR. Dort können Rundfunkräte Bewerber bis zu Beginn des Wahlakts benennen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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