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Hessischer Kulturpreis : In verletzender Weise verschärft

  • Aktualisiert am

Peter Steinacker, bis zum vergangenen Jahr Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Bild: Wonge Bergmann

Navid Kermani wurde nach Bedenken seiner Mitpreisträger aus dem Kreis der Empfänger des Hessischen Kulturpreises wieder ausgeschieden. Peter Steinacker begründet seine Vorbehalte gegenüber Kermani und weist den Vorwurf zurück, die Preisvergabe an diesen verhindert zu haben.

          Die Verleihung des Hessischen Kulturpreises an Vertreter der Religionen, die sich um den friedlichen Dialog bemüht haben, ist in Turbulenzen geraten. Einem hochgeachteten Muslim wurde der Preis angetragen. Er schlug ihn aus, weil er aus politischen Gründen nicht gemeinsam mit Salomon Korn geehrt werden wollte. Das ist offenbar nichts Skandalöses. Dann hat die Jury Navid Kermani vorgeschlagen. Nach den Erfahrungen mit Professor Sezgin fragte die Staatskanzlei, ob es Einwände gegen Herrn Kermani gäbe.

          Ich hatte keine Einwände und habe dies genauso der Staatskanzlei mitgeteilt. Dann las ich den Artikel aus der "Neuen Zürcher Zeitung". Dessen zentrale Aussagen, die die Einwände des Korans gegen die Kreuzestheologie in verletzender Weise verschärfen ("drastischer" formulieren, so nennt es Kermani), und die durch die ungenauen, dialektischen Schlusswendungen nicht erläutert oder gar zurückgenommen werden, machten es mir nicht mehr möglich, den Preis anzunehmen.

          Von Verhinderung kann keine Rede sein

          Dies habe ich der Staatskanzlei mitgeteilt. Es kann keine Rede davon sein, ich hätte verhindert, dass Herr Kermani den Kulturpreis bekommt. Das war eine freie Entscheidung der Jury, auf die ich keinerlei Einfluss genommen habe. Ich bin auch jederzeit bereit, mit Herrn Kermani über sein Verständnis des Kreuzes zu diskutieren. Aber ich bin nicht bereit, mich mit jemandem für Verständnisbemühungen und Toleranz ehren zu lassen, der das Zentrum meines Glaubens - und das ist spätestens seit Paulus und Luthers Heidelberger Disputation von 1517 die Kreuzestheologie - für Gotteslästerung hält und in die Nähe von Pornographie rückt.

          Der Gegenstand von Johann Sebastian Bachs Passionsmusiken hat mit Pornographie nichts zu tun. Lorenz Jäger wirft mir vor, mir sei "die kühne dramatische Folge von Kermanis Gedanken" entgangen (F.A.Z. vom 14. Mai). Ich hätte den Schluss des Artikels nicht beachtet. Hier gehe Kermani "bis an die Schwelle zur Ketzerei", wenn er sagt: "Ich könnte an ein Kreuz glauben". Dieser Schluss, dialektisch elegant, erscheint mir wie ein Pflaster auf eine Wunde, ohne Bedauern, dass sie geschlagen wurde. Nichts von Gotteslästerung, Pornographie wird zurückgenommen.

          Erinnerung an Grundsätze

          Aber vor allem zeigt auch der Schluss ein großes Unverständnis der Kreuzestheologie. Die Bildunterschrift der F.A.Z. vom 14. Mai suggeriert, Kermani habe gesagt, er könnte möglicherweise "doch an einen gekreuzigten Gott glauben": Aber das sagt er gerade nicht, wie man nachlesen kann. Christen glauben nicht an ein Kreuz. Und Christus leidet nicht, um Gott zu entlasten. Kermani behauptet, das wolle die "christliche Ideologie" sagen. Welche denn ? In den Evangelien ist Gott das Subjekt des Handelns. Er, der Vater führt den Sohn ins Leiden - damit wir das Leben haben. Gott übernimmt unser Kreuz und belastet sich. Dass die Integration des tiefen Schmerzes, der über der Welt und der Schöpfung liegt, in Gottes Gottheit islamischer Theologie fremd ist, das ist verständlich. Unverständlich bleibt die Denunziation des Fremden als blasphemisch. Paulus hat schon darauf hingewiesen, dass das Wort vom Kreuz für andere Religionen ein Problem bleiben wird.

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