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Herrschaft der Algorithmen : Die Welt bleibt unberechenbar

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Immer mehr Entscheidungen werden von rechnenden Maschinen getroffen. Längst greifen sie auch in unsere Alltagswelt ein. Aber wer von uns weiß schon, was ein Algorithmus ist, wie er funktioniert und vor allem, wo seine Grenzen liegen? Was wir brauchen, ist ein Zeitalter der digitalen Aufklärung.

          Algorithmen beherrschen die Welt, die Gesellschaft, unser Leben, online wie offline. HedgeFonds entscheiden über Wohl und Wehe von Märkten, Firmen und ganzen Volkswirtschaften anhand der Berechnungen, mit denen die Algorithmen der Finanzmathematik die Welt erklären. Die selbständigen Transaktionen der automatisierten Börsensoftware lösen Auf- und Abwärtsbewegungen der Aktienindizes, ja ihren plötzlichen Absturz aus. Staaten und Staatengemeinschaften beurteilen die Lage anhand von Simulationen, in denen Algorithmen aus der Vergangenheit die Zukunft vorauszusagen versuchen. Beratergremien nehmen Politikern mittels Modellen Entscheidungen ab, deren Algorithmen mit historischen Wetterdaten, aktuellen Messwerten, archäologischen Gesteinsanalysen und anderen Daten, die sich zu von Menschen nicht mehr erfassbaren Gebirgen auftürmen, Aussagen über das künftige Klima treffen. Ob Flugzeuge fliegen dürfen, legen Simulationen über die Verbreitung von Aschewolken nach Vulkanausbrüchen fest.

          Scoring-Algorithmen bestimmen anhand persönlicher Zahlungsmoral, individuellen Umfelds, Wohn- und Arbeitssituation die Kreditwürdigkeit eines Bürgers. In per W-Lan vernetzten Kraftfahrzeugen entscheiden Algorithmen, welche Autobahn die Strecke mit den wenigsten Staus verspricht und wie schnell oder langsam der Wagen fahren muss, um effizient und schnell ans Ziel zu kommen. Smartphone-Apps zeigen anhand von Bevölkerungsdaten und Kriminalitätsstatistik, ob es eine gute Idee ist, die schicke Wohnung ausgerechnet in diesem oder jenem Wohnviertel zu beziehen. Empfehlungsalgorithmen sagen uns, welche Musik wir hören wollen, welches Buch wir lesen möchten, welche Menschen wir treffen sollen. Die Maschinen, die Algorithmen berechnen unser Leben und unsere Zukunft: So ist es, so wird es sein.

          Entscheidungen vor Endlichkeitshintergrund

          Aber treten wir einen Schritt zurück und halten zunächst einmal fest, was ein Algorithmus überhaupt ist: „eine systematische Prozedur, die in einer endlichen Anzahl Schritten eine Antwort auf eine Frage oder eine Lösung für ein Problem produziert“ - so lautet in gewohnter Prägnanz die Definition der Encyclopædia Britannica. Wikipedia ist in diesem Fall nur wenig ausführlicher: „Unter einem Algorithmus (auch Lösungsverfahren) versteht man eine genau definierte Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer bestimmten Art von Problemen in endlich vielen Schritten.“

          Wir freuen uns über die Prägnanz der so produzierten Aussagen, eine Prägnanz, die wir selbst nicht erreichen können und die uns vom Entscheiden entlastet, ja oft vom Denken befreit. Aber weit gefehlt. So eindeutig ist das mit den Algorithmen ja gar nicht, das meint auch die Encyclopædia Britannica. Zumindest im Prinzip existiere für jede Frage und für jedes Problem, das nur eine endliche Anzahl von Argumenten oder Werten habe, immer ein Algorithmus. Aber welches Leben hat schon eine endliche Zahl von Werten, die es bestimmen? Das heißt: Manchmal könne ein Algorithmus eben nicht für eine unendliche Klasse von Problemen existieren.

          Grenzen der Berechenbarkeit

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