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Hermine Huntgeburth : Ergriffen von der eigenen Phantasie

  • -Aktualisiert am

Von einer, die nicht mehr aufhören kann, in all den vielen erlebbaren Gefühlen, Schicksalen und Gegenwelten immer weiter die Spur in sich selbst zu verfolgen - verführt vom Stolz, ab und zu eine Geschichte zu erzählen, die auch andere bewegt.

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          Mit Filmen kann ich etwas öffentlich ausdrücken, ohne selbst zu reden oder zu schreiben, kann von mir erzählen, ohne über mich zu sprechen. Ich bin in der Provinz großgeworden, dort war ich eine von ganz vielen, trotzdem von allem irgendwie getrennt.

          Auf jeden Fall fand ich mich eines Tages im Kino wieder. Der Traum von der großen weiten Welt hatte mich eingefangen, zum Beispiel als ich „Ryan's Daughter“ von David Lean sah. Was für ein Gefühl! Da konnte die eigene Wirklichkeit an Wirklichkeit nicht mithalten. Und das ist des Pudels Kern. Dämonisch süchtig machend.

          Verführt vom Stolz

          Etwas Fremdem auf der Spur, spüre ich mich am stärksten. In einer Geschichte trete ich aus dem Schatten. Die erste Konsequenz aus dieser Erfahrung war, Garderobenmädchen am Paderborner Theater zu werden. Aber manchmal platzt die Realität herein, auch sie wie ein Dämon, der Dämon der Leere. Dann stehe ich neben mir, betrachte das alles, die Zwänge, den Druck und die große Aufgabe und die Verantwortung, das Bewusstsein, dass morgen alles wieder vorbei sein kann, weil ich mit allem, was ich tue, immer wieder von vorne anfange, immer wieder neu betrachtet werde und zur Disposition stehe.

          All diese Willensanstrengungen für ein paar verwehende Luftschlösser? Warum? Warum gerade ich? Vielleicht, um auf diese Frage nicht antworten zu müssen. Weil ich einfach nicht mehr aufhören kann, in all den vielen anderen Gefühlen, Schicksalen und Gegenwelten immer weiter nach dem zu suchen, was mich am Leben erhält oder mich zum Leben erweckt, aufgesogen von der Intensität der Arbeit, verführt vom Stolz, ab und zu eine Geschichte erzählt zu haben, die andere Menschen dazu bringt, ihre Spur in sich zu verfolgen. Ergriffen von der eigenen Phantasie.

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