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Hermann Heidegger erinnert sich : Ein lieber Vater

Hermann Heidegger, 93 Jahre alt, hat einen berühmten Namen und der „Zeit“ ein Interview gegeben. Er erinnert sich: Worüber er mit seinem Vater sprach - und worüber nicht.

          Nicht zum ersten Mal hat sich Hermann Heidegger über seinen Vater, den Philosophen, geäußert. Dem Gespräch, das in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ erschien, gingen andere voraus, eines mit der italienischen „Repubblica“ ist erwähnenswert, damals war Hermann 76 Jahre alt, heute zählt er 93. Dem Greis verdichten sich die Dinge; nicht das „Was“ kann interessieren, nur noch das „Wie“ der Äußerung.

          Erfährt man etwas über Martin Heidegger? Die Neuigkeit, dass er nicht Hermanns leiblicher Vater war, zählt nicht, man wusste es. Man kann auch schlechterdings keine späten Distanzierungen erwarten. Also nichts Weltbewegendes zur Rektoratsrede von 1933 und zu den in diesen Tagen erscheinenden „Schwarzen Heften“ des Denkers, nicht jedenfalls aus dem Mund des Sohnes, der Hermann in einem wunderbaren Sinne eben doch war, weil der Philosoph ihn als solchen anerkannte.

          Eine lakonische Antwort

          In der „Repubblica“ sagte Hermann Heidegger damals das Schönste, was man wohl über einen Vater sagen kann: „Er ließ uns die Freiheit zu wählen.“ Eingeschlossen war dabei auch der Halbbruder Jörg, der Ingenieur wurde. Hermann wurde Historiker, der mit einer Arbeit über die sozialdemokratische Haltung zum Nationalstaat promoviert wurde. Gegenüber Iris Radisch sagt er nun in der „Zeit“: „Der Vater war ein lieber Vater.“ Über die Zeit zwischen 1933 und 1945 das Bekenntnis, schon im Juni 1941 in Rumänien von der Vernichtungspolitik erfahren zu haben: „Damals habe ich zum ersten Mal mitbekommen, dass Juden ermordet wurden. Ich war völlig fassungslos. Später hat mir in Freiburg ein alter Pfadfinderkamerad, der SS-Offizier geworden war, erzählt, dass in Russland Juden umgebracht werden.“ Mit dem Vater sprach er nicht darüber.

          Auf die Frage, ob der Name zuweilen eine Last gewesen sei, kommt die lakonische Antwort: „Ja.“ Kleiner Nachtrag: 2005 veröffentlichte Hermann Heidegger das Buch „Heimkehr 47 - Tagebuch-Auszüge aus der sowjetischen Gefangenschaft“ im Antaios-Verlag, der kürzlich ins Blickfeld der Neben-Verfassungsschützer des Versandhändlers Amazon geriet; zwölf Antaios-Titel wurden aus dem Vertrieb genommen. Heideggers Buch gehörte nicht zu den inkriminierten. Manchmal ist ein klingender Name doch nützlich.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

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