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Henning Baum im Gespräch : „Ich fülle die Rolle bis in die letzte Faser aus“

  • Aktualisiert am

Bild: Joe Fish/Roba Press

Jetzt haben die Dreharbeiten zur fünften Staffel von „Der letzte Bulle“ begonnen. Aber ist das wirklich die fünfte? Eigentlich nicht, sagt der Hauptdarsteller und erklärt, auf welches Ende es hinausläuft.

          Sie haben für RTL gerade „Götz von Berlichingen“ gedreht. Das dürfte etwas ganz anderes gewesen sein als Ihre Erfolgsgeschichte in „Der letzte Bulle“.

          Ich denke nicht. Die Figuren sind sich relativ ähnlich. Es sind freiheitsliebende Typen und starke Charaktere. Sie müssen kämpfen und eine Krise überwinden. Sie liegen nicht immer richtig, folgen aber ihren Prinzipien. Und sie haben beide eine Amputation erlitten, sie sind Versehrte. Götz an der Hand, Brisgau an Jahren. Ihm fehlen zwanzig Jahre seines Lebens. Das ist eine Lücke, die er nicht schließen kann. Leben, Tod, Verrat, Freundschaft, das steckt in beiden Geschichten drin.

          Wo steht „Der letzte Bulle“ jetzt? Es fing damit an, dass Mick Brisgau aus dem Koma erwacht. Am Ende der vierten Staffel hat er das Rätsel, wer hinter dem Attentat auf ihn stand, gelöst. Er kann nicht normalen Ermittlerdienst schieben.

          Genau. Wenn die Geschichte wieder beginnt, erleben wir einen Zeitsprung von zwei Jahren. Es hat sich viel verändert. Mick ist der Einzige, der bei der Polizei bleibt. Alle anderen sind weg.

          Wie weg?

          Sie haben andere Jobs und leben an anderen Orten. Micks Kollege Andreas hat Karriere beim Landeskriminalamt gemacht. Sein Freund und ehemaliger Chef Ferchert ist in die Lokalpolitik gegangen. Meisner aus dem Labor hat sich selbständig gemacht und fährt endlich den Sportwagen, den er sich immer gewünscht hat. Tanja ist nach Argentinien, in das Land ihres Vaters, gegangen und führt dort eine psychologische Praxis. Nur Uschi ist und bleibt Uschi, hat ihre Kneipe, wo Mick immer noch am Tresen sitzt. Uschis Kneipe ist schließlich der Beichtstuhl, und Uschi ist das Prisma, in dem sich Micks Stimmungen spiegeln. Wir steigen in die Geschichte ein mit einem schwierigen Polizeieinsatz - der schiefgeht. Mick wird zur Verantwortung gezogen. Er wird strafversetzt und muss wieder Streife fahren.

          Das ist eine komplett neue Serie.

          Das ist eine komplett eigene Geschichte. Die Figuren tauchen aber alle wieder auf. Es gibt einen Fall, der alle zusammenführt. Dem liegt die Idee der klassischen Heldenreise zugrunde. Wir sehen den Helden, wie er aus seiner vertrauten Welt hinausgeworfen wird und sich neu finden muss. Wie er Freunde und Verbündete suchen, Gegner erkennen, Prüfungen bestehen muss, wie er scheitert und wieder aufsteht. Dabei geht es um die Frage, was diesen Mick Brisgau antreibt, wonach er sich sehnt. Das ist die Familie, die er verloren hat. Wir erzählen in acht Folgen eine in sich geschlossene Geschichte. Am Ende der Reise wird Mick Brisgau ein anderer sein. Ein bisschen Parzival und Odysseus.

          Wird das die wirklich letzte Runde?

          Es stimmt: Am Ende der vierten Staffel war die Geschichte des „letzten Bullen“ erzählt. Wir haben ihn in die Freiheit entlassen. Der Begriff „fünfte Staffel“ ist irreführend, weil er etwas suggeriert, was nicht eingelöst wird. Es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Ich habe schon in der dritten Staffel geahnt, dass wir die Serie anders fortführen müssen. Die Drehbuchautoren Christoph Darnstädt und Johannes Lackner haben nun eine große Geschichte erfunden, an der ich als beratender Produzent mitwirke. Ein Kriminalfall, an dem sie sich alle abarbeiten, der sie alle existenziell betrifft. Daraus entsteht eine ganz neue Energie, da geht es um Leben und Tod. Meine Idee war: Was wäre, wenn wir Mick Brisgau jetzt nach zwei Jahren noch einmal besuchten? Wir haben uns über Skype die Bälle zugeworfen und dann ging es los. Das war wie bei Atomen, die gegen einander stoßen und eine Kettenreaktion auslösen. Dass der Sender Sat.1 uns vertraut, freut mich sehr.

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