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Helmut Schmidt mit Fritz Stern : Fangen Sie an, Fritz!

Ernten die Früchte jahrzehntelanger Freundschaft: Altkanzler Helmut Schmidt und der amerikanische Historiker Fritz Stern Bild: dpa

Altkanzler Helmut Schmidt und der amerikanische Historiker Fritz Stern als wunderbare Gesprächspartner: Ihr gemeinsames Buch „Unser Jahrhundert“ ist ein Plädoyer für mehr Geschichtsbewusstsein - und wendet sich explizit an die folgenden Generationen.

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          Für einen kurzen Moment hatte man, als am vergangenen Donnerstag der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und sein langjähriger Freund, der Historiker Fritz Stern, im Berliner Haus der Kulturen der Welt auftraten, um ihr gemeinsames Buch vorzustellen, den Eindruck, man säße im Theater. Denn wie Helmut Schmidt dort in seinem Rollstuhl kauerte, mit vollem Haar, den Stock vor sich; wie er am Beistelltisch mit einer Tasse Kaffee und den Reyno-Mentholzigaretten hantierte, schließlich das Hörgerät aus dem Ohr nahm, um einen großen schwarzen Kopfhörer aufzusetzen, den er während der ganzen Diskussion aufbehielt und der ihm die Wortbeiträge seines Gesprächspartners übertrug - das hatte, als stummes Spektakel scheinbarer Abgewandtheit, etwas so Theaterhaftes, als wäre man in einem Stück namens „About Schmidt“, in dem der Bundeskanzler a. D. sich selber spielte. Es fehlte eigentlich nur noch der Schnupftabak.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Kürze liegt die Würze

          „Helmut, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Fritz Stern?“, fragte ihn der Moderator des Abends, Matthias Naß, der auf der Bühne das Hamburger Sie pflegte. „Nee, kann ich nicht“, antwortete Schmidt, machte seinem Hang zur Lakonie alle Ehre und beantwortete auch die folgenden Fragen zunächst so knapp, dass es beinahe an Gesprächsverweigerung grenzte. Das Publikum des ausverkauften Saals dankte ihm jede noch so kurze Wortintervention mit Zwischenapplaus und großem Gelächter. Je kürzer die Antwort, desto größer im Publikum die Freude.

          Die Schmidt-Show kommt an: Sein Ältesten-Rat ist derzeit überall gefragt

          Helmut Schmidt hat im hohen Alter eine moralische Autorität gewonnen, die ihm während seines aktiven politischen Lebens so nie vergönnt war. Sein Buch „Außer Dienst“ ist seit bald zwei Jahren in den Bestsellerlisten, seine „Zigarettengespräche“ mit Giovanni di Lorenzo sind bereits legendär, und man würde sich nicht wundern, wenn auch das Gesprächsbuch mit Fritz Stern, das unter dem Titel „Unser Jahrhundert“ gerade im Verlag C. H. Beck erschienen ist, ähnliche Erfolge feiern würde.

          Der Ältesten-Rat ist gefragt wie nie

          Der Ältesten-Rat des 91-Jährigen ist gefragt, nicht nur in der SPD, wenn es um Afghanistan geht, sondern eben auch in der Gesellschaft, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass er zu denen gehört, die, wie er selbst das immer nennt, „die Scheiße des Kriegs“ miterlebt haben. „Er ist zu einem politischen Pädagogen geworden, zum Aufklärer“, sagt Fritz Stern, der diese Woche aus New York angereist war. „Außerdem sagt er völlig frei seine Meinung. Er will die Menschen zur größeren Mündigkeit erziehen. Beziehungsweise, ob er es will, weiß ich gar nicht, er tut es.“

          Stern, 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren, emigrierte 1938 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, lernte früh, sich als Amerikaner zu fühlen, und wurde an der Columbia University, wo er lehrte, zu einem der geachtetsten Historiker seines Landes. Im Gegensatz zu Helmut Schmidt erinnert er sich noch sehr gut an die erste Begegnung mit dem damals amtierenden deutschen Bundeskanzler im April 1976. Er erinnert sich an alles, sogar an den Willy-Brandt-Witz, den beim gemeinsamen Mittagessen der Verleger Jobst Siedler erzählte und über den Schmidt schallend lachte. „Ich weiß noch“, erzählt er, „dass er in der ersten Reihe saß, während ich damals in Berlin einen Festvortrag über Ernst Reuter gehalten habe, den ehemaligen Berliner Oberbürgermeister. Wir sind anschließend zusammen rausgegangen. Und da fand ich ihn sehr selbstbewusst und humorvoll, hatte gleich einen fabelhaften Eindruck.“

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