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Helmut Kohl : Trauriges Tonband

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Dreibändige „Erinnerungen“: Helmut Kohl auf der Frankfurter Buchmesse 2010 Bild: dpa

Geheime Tonbänder des Altkanzlers, hieß es am Wochenende, würden Unglaubliches enthüllen. Tatsächlich enthalten sie vor allem Lästereien über die lieben Kollegen - Sensationen klingen anders.

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          Wenn es in den letzten Jahren Nachrichten aus dem Hause Kohl gab, dann waren das selten gute. Man las vom Streit in der Familie, über die schwere Kindheit der Söhne und vom Zwist unter ehemaligen Weggefährten – einen ruhigen Lebensabend stellt man sich anders vor. Nun wurde die deutsche Öffentlichkeit ein Wochenende lang mit der Ankündigung neuer Kohl-Sensationen in Atem gehalten: Geheime Tonbänder würden Unglaubliches enthüllen, wieder mal die großen Kohl-Festspiele. Doch was immer die Leute an Helmut Kohl noch bewegt und interessiert, solche Enthüllungen können es nicht sein. Da lästert er, in Gegenwart eines vertrauten Journalisten, der die Gespräche vermutlich, wie es üblich ist, redigieren und ihm noch einmal vorlegen sollte, was dann aber nicht mehr geschah, über seine lieben Kollegen.

          So, wie es alle tun. So, wie Kohl es immer schon getan hat. Und wie es eigentlich auch schon überall zu lesen stand. Eine echte Bombe wäre es gewesen, wenn Kohl sich auf diesen Tonbändern lobend über Franz Josef Strauß geäußert hätte, wenn er sich über die Dankbarkeit seiner Parteifreunde gefreut und den Intellekt Richard von Weizsäckers bewundert hätte. Wie hätte der interessierte Leser gestaunt, wenn enthüllt worden wäre, der ehemalige Kanzler habe die drei Bratwürste nicht angerührt, keinen Wein trinken wollen und auch sonst in jeder Hinsicht Maß gehalten. Und es hätte den stärksten Eskimo vom Schlitten gehauen, wenn Kohl voll des Lobes gewesen wäre für seine einstige Ministerin, sein „Mädchen“ Angela Merkel, weil sie es geschafft hat, so populär zu bleiben.

          Wir lernen hingegen: Kohl bleibt Kohl. Das Getöse hätte man sich getrost sparen können. Helmut Kohl wird ein umstrittener Mann bleiben, seine Ära ist längst Gegenstand der zeithistorischen Forschung, die eines Tages ein nuanciertes Urteil fällen wird. Es kann dessen ungeachtet aber nicht im Interesse eines demokratischen Gemeinwesens liegen, wenn ein Mann, der sein Berufsleben in den Dienst der Res publica gestellt hat, im Alter als Objekt ewig schriller Pseudoskandale durch die Schlagzeilen geistern muss. Die ganze Geschichte ist traurig genug.

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