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Helden auf dem T-Shirt : Das bügelfreie Konterfei der Revolutionäre

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„Stolz gedruckt auf deutschen Brüsten“

Wohin aber modisch mit all den Frauen und Männern, für die vom „Geiste des Comandante Che Guevara“ nichts übrig geblieben ist, die auf der Links-Rechts-Skala vielleicht sogar zur diskreditierten Seite neigen? Tatsächlich können auch sie mittlerweile ihre Helden überziehen. „Warum nicht Claus Schenk Graf von Stauffenberg“, fragt der Jurist Gebauer in einer seiner Kolumnen: „Hätte nicht er vor allen anderen den legitimen Anspruch, auf deutschen Brüsten stolz gedruckt und bügelfrei zu prangen? Käme nicht ihm, der sein Leben einsetzte, die Ehre – wenn es denn eine ist – zu, allüberall auf Postern und Plakaten weiterzuleben? Was hindert einen solchen Kult?“

Stauffenberg olivgrün: Lässt sich bei vierzig Grad waschen.
Stauffenberg olivgrün: Lässt sich bei vierzig Grad waschen. : Bild: Konmo.de

Zumal die konservative Geschichtsschreibung ihrem Selbstverständnis nach ohnehin ein entspannteres Verhältnis zum Konterfei-T-Shirt haben sollte. In seinem Buch „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert“ schrieb der Historiker Heinrich von Treitschke mit Blick auf Bismarck: „Männer machen (die) Geschichte.“ In der Einleitung zu seinen „Vorlesungen über Politik“ stellt er ferner fest: „Wäre die Geschichte eine exakte Wissenschaft, so müssten wir imstande sein, die Zukunft der Staaten zu enthüllen. Das können wir aber nicht, denn überall stößt die Geschichtswissenschaft auf das Rätsel der Persönlichkeit.“

Sozialisten und der Kapuzenpulli

Der Heldenkopf auf dem Kapuzenpulli verstofflicht das historistische Diktum Treitschkes. Demgegenüber seien nach sozialistischer Lesart, schreibt Friedrich Engels, „die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise.“ Das autonome Subjekt stellt eine Freiheit als „Einsicht in die Notwendigkeit“ in Abrede.

Tatsächlich hat es Claus Schenk Graf von Stauffenberg weitestgehend unbemerkt auf das T-Shirt geschafft. Die beiden amerikanischen Unternehmen www.zazzle.de und www.cafepress.com boten zuerst T-Shirts mit dem Motiv des Widerstandskämpfers an. Seit 2010 versucht der Internetversandhandel www.konmo.de („konmo“ steht für „konservativ“ und „Mode“) mit einer eigenen Stauffenberg-Kollektion Fuß zu fassen. Der Verschwörer des 20. Juli 1944 ist dort in den Modellen „Pop-Art“, „Profil“ und als Textaufdruck („Es lebe das geheime Deutschland!“) zu haben. „Mit diesem Motiv in die Breite zu gehen, ist schwierig“, sagt der Firmengründer Jens Gerlach. Seine Kunden stammten aus einem konservativen Umfeld, seien meistens Männer, zwischen achtzehn und 45 Jahren alt und häufig akademisch gebildet. Stauffenberg habe alles, was ein Held brauche, meint er. Doch wahrscheinlich würden viele das Stauffenberg-Abbild gar nicht erkennen, begegneten sie einem seiner Träger auf der Straße.

Der Alte Fritz im Siebdruck

Selbst Apologeten der Konservativen Revolution hat  KonMo aufs Hemd gebracht. Dass Ernst Jünger im grauweißroten Siebdruck jedoch zum Hingucker gerät, darf man ebenso bezweifeln wie den Wiedererkennungswert eines Stefan George. Auch Friedrich II. von Preußen befindet sich im Sortiment. Der umstrittene Philosophenkönig wiederum dürfte den meisten bekannt vorkommen.

Wo der Siebdruck einen Che Guevara schafft, darf er auch einen Stauffenberg hervorbringen. Diesen habe, schreibt Gebauer, nicht etwa die wahnwitzige Idee umgetrieben, gleich die Welt zu retten. Heldenhaft einen konkreten Irrsinn zu beenden – das sei vielmehr seine Absicht gewesen.

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