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Heinrichskrone : Balsam für die fränkische Seele

  • -Aktualisiert am

Darf zum Leidwesen der fränkischen Landesteile aus konservatorischen Gründen nicht reisen: Die Heinrichskrone (um 1280) glänzt in der Münchner Residenz. Bild: Timm Schamberger/ddp

Lob der Katalogisierung: Auf einer detailreichen Illustration, die in Bamberg gefunden wurde, ist nicht wie üblich die stilisierte Reichskrone zu sehen. Stattdessen wurde die älteste Darstellung der Heinrichskrone aufgespürt.

          Die Heinrichskrone aus dem Bamberger Domschatz, während der Säkularisation 1803 nach München gebracht und dort in der Schatzkammer der Residenz aufbewahrt, ist eines der immer wieder aufflammenden Reizthemen für alle Franken. Bis in jüngste Zeit wurde die Krone von fränkischer Seite zusammen mit weiteren nach München überstellten Schätzen als sogenannte „Raubkunst“ zurückgefordert. Im Vorfeld der Ausstellung zum tausendjährigen Jubiläum der Bamberger Domweihe im Jahre 2012 entschloss man sich, da aus konservatorischen Gründen an eine Ausleihe des Originals nicht zu denken war, eine Kopie dieser um 1280 entstandenen gotischen Lilienkrone zu fertigen, die heute als Leihgabe der Oberfrankenstiftung im Diözesanmuseum Bamberg aufbewahrt wird.

          Das Original bildete seinerseits ursprünglich den Ersatz für eine später verpfändete und wohl nicht mehr eingelöste Vorgängerkrone, die das um 1200 erstmals nachgewiesene, aber wohl bereits kurz nach der Heiligsprechung im Jahre 1146 gefertigte Kopfreliquiar Kaiser Heinrichs II. (König von 1002 an, Kaiser von 1014 bis 1024), des Gründers des Bistums und der Kathedrale von Bamberg, zierte. Als 1648 ein neues Kopfreliquiar geschaffen und ein Jahr später das alte eingeschmolzen wurde, verlor sie ihre Funktion. Als Einzelstück gelangte die Heinrichskrone in den Bamberger Domschatz, wo sie bis zum Abtransport nach München neben der Krone der Heiligen Kunigunde aus dem elften Jahrhundert (heute ebenso in der Schatzkammer der Münchner Residenz) noch lange als Krone des Kaisers verehrt wurde.

          Die älteste erhaltene Abbildung in der Handschrift der Bamberger Staatsbibliothek (um 1340) zeigt den gekrönten Kaiser Heinrich - auf einem Podest.

          Völlig unbeachtet blieb stets in der Diskussion um die Heinrichskrone, dass sich in einer für den Heinrichs- und Kunigundenaltar des Bamberger Doms gefertigten liturgischen Handschrift eine um 1340 entstandene Darstellung des mittelalterlichen Reliquiars mit der Heinrichskrone befindet. Heute in der Staatsbibliothek Bamberg unter der Signatur RB.Msc.169 aufbewahrt, konnte diese älteste Abbildung der Heinrichskrone im Verlaufe des gerade abgeschlossenen von der DFG geförderten Katalogisierungsprojektes der illuminierten Handschriften des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts dieser Bibliothek entdeckt werden.

          Die Darstellung, eine kolorierte Federzeichnung, zeigt die gekrönte Büste Kaiser Heinrichs auf einem gotischen Podest, wie sie auch auf späteren, wenngleich weit weniger detaillierten Darstellungen aus dem fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhundert bekannt ist - so auf dem Holzschnitt in der Nürnberger Ausgabe des „Bamberger Heiltumsbüchleins“, 1493 bei Hans Mair gedruckt, oder in der um 1508/09 entstandenen Federzeichnung des „Bamberger Heiltumscodex“ in der British Library in London. Anders als diese und in bislang einzigartiger Weise zeigt die neu entdeckte Zeichnung keine stilisierte Reichskrone auf dem Haupt des heiligen Kaisers, sondern die bis heute erhaltene Lilienkrone des verlorenen Büstenreliquiars.

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