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Hein, Tellkamp, Houellebecq : Tiefe Stürze

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt

Nur große Autoren machen aus großen Stoffen große Bücher - und manchmal klappt auch das nicht. Woran Christoph Hein, Uwe Tellkamp und Michel Houellebecq gescheitert sind.

          Der Spezialist für die literarisch mangelhafte Umsetzung hochspannender Themen hat dieses Mal wirklich Pech gehabt: „Die Möglichkeit einer Insel“ ist nicht nur gewohnt schlecht geschrieben, sondern muß auch noch mit einem wahren Meisterwerk konkurrieren.

          Wie Kazuo Ishiguros Roman „Alles, was wir geben mußten“ handelt der neue Houellebecq vom Klonen. Der Vergleich zeigt, was keines vierhundertseitigen Beweises bedurft hätte: Nur große Autoren machen aus großen Stoffen große Bücher. Wie das französische Enfant terrible hat auch der deutsche, mit Klagenfurter Vorschußlorbeer überhäufte Debütant Uwe Tellkamp Spaß an der Provokation. In diesem Fall liegt das wahre Vergnügen aber darin, sich nicht provozieren zu lassen.

          Daß auch weitaus bessere Autoren als Houellebecq scheitern können, zeigt der jüngste Roman Christoph Heins über den brisanten Fall des RAF-Terroristen Wolfgang Grams: vom Autor schnell und ohne Sorgfalt geschrieben, vom Lektor schnell und ohne Sorgfalt gelesen. So entstand ein Buch, das den Leser wirklich ärgert. Nicht nur, weil es schlecht ist, sondern mehr noch, weil Hein im Grunde der richtige Autor für diesen Stoff war: Phantomschmerz des verpaßten Meisterwerks.

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