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Kommentar zu Sexszenen : Reden ist Gold

  • -Aktualisiert am

In der Diskussion: Jorah Mormont (Ian Glen) und Danerys (Emilia Clarke) in der unter anderem für ihre zahlreichen Nackt- und Sexszenen berühmten und erfolgreichen HBO-Serie „Game of Thrones“. Bild: HBO Enterprises

Eine Neueinstellung beim Sender HBO zeigt: In Hollywood wird zu wenig über Sex geredet – zumindest mit denen, die ihn darstellen sollen.

          Beginnen wir mit Amüsement: Der amerikanische Sender HBO hat eine Sex-Koordinatorin engagiert, die dafür sorgen soll, dass sich die Schauspieler wohl fühlen und es während des gespielten Beischlafes nicht zu sexuellen Übergriffen kommt. Lustig, was für Blüten #Metoo getrieben hat, nicht wahr? Jetzt brauchen die wirklich einen Anstandswauwau am Set, dabei werden Sexszenen, die möglichst echt aussehen sollen, doch heutzutage sowieso mit professionellen Pornodarstellern als Doubles gedreht. Und ist es nicht absurd, anzunehmen, es könnte ein sexueller Übergriff stattfinden, während Beleuchter, Kameramann, Regisseur und weiß Gott wer noch alles drum herum stehen?

          Dazu gibt es eine hochinteressante Geschichte, sie spielt 1972 am Set von „Der letzte Tango in Paris“. Marlon Brando war achtundvierzig Jahre alt und spielte gemeinsam mit der damals neunzehnjährigen Französin Maria Schneider, der Plot ist schnell erklärt: Die beiden treffen sich in einer Wohnung, reden und haben immer wieder Sex. An einem Morgen der Dreharbeiten besprachen Brando und der Regisseur Bernardo Bertolucci, heute könne man doch mal eine anale Vergewaltigungsszene drehen. Sie sagten allerdings Maria Schneider nichts davon, und zwar bewusst, um echte Tränen filmen zu können. Brando, Bertolucci und mit ihnen sämtliche Kinobesucher bekamen echte Tränen. Es kam zwar nicht zur Penetration, aber alles andere war authentisch: Schneider fühlte sich vergewaltigt und verzieh das dem Regisseur, der erst 2013 seine Schuld eingestand, nie. Man behauptete später, sie sei mit dem frühen Ruhm nicht klargekommen und habe deshalb einen zweiten Film mit Bertolucci abgebrochen. Frauen, so hysterisch. Aber um Männer müsste sich mal jemand kümmern!

          Da passt es doch gut, dass die Sex-Koordinatorin von HBO genau das tut: Alicia Rodis erklärte dem „Guardian“, die Männer bräuchten bei manchen Sexszenen mehr Unterstützung, weil sie Panik hätten, eine Grenze zu überschreiten – dann nämlich, wenn sie in der Szene der Aggressor sind. Die Idee, mit der Schauspielkollegin über genau diese Dinge vor der Szene zu sprechen und gemeinsam Grenzen abzustecken, scheint in Hollywood erstaunlich wenig verbreitet zu sein. Es ist gefährlich, Schweigen mit Einvernehmen zu verwechseln – das weiß inzwischen auch das deutsche Strafrecht. Vor allem aber muss Alicia Rodis mit den Schauspielern vor den Szenen klären, was überhaupt gedreht wird. Die Drehbücher geben da oft keine klaren Anhaltspunkte; damit ist der Inhalt dem Regisseur überlassen, der offenbar auch selten im Vorfeld kommuniziert. Das lässt nur einen Schluss zu: In Hollywood, ausgerechnet in Hollywood!, wird zu wenig über Sex geredet. Das muss sich ändern. HBO hat Alicia Rodis inzwischen weitere intimacy coordinators zur Seite gestellt. Sie bringen den Schauspielern und Regisseuren das bei, was jeder wissen sollte: Reden hilft. Auch wenn man nicht beruflich, sondern zum privaten Vergnügen mit jemandem ins Bett geht.

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