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Neues Museum für Bayern : Samma mia no mia?

Was auf der Wiesn funktioniert, funktioniert auch hier: In der Halle grüßt ein überdimensionierter Oktoberfestlöwe. Bild: Staatliches Bauamt Regensburg

Das Vermächtnis Horst Seehofers: In Regensburg eröffnet nächste Woche das Haus der Bayerischen Geschichte. Was kann der Bau, was zeigt die Ausstellung? Begehung eines umstrittenen Prestigeobjekts.

          Der bis heute wirkmächtigste Politiker, den Bayern im zwanzigsten Jahrhundert hervorgebracht hat, starb am 3. Oktober 1988 nach einem Jagdausflug im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zu Regensburg. Franz Josef Strauß war maßgeblich daran beteiligt, die Gleichung CSU gleich Bayern ins Leben zu rufen und am Leben zu erhalten. Seit mehr als sechs Jahrzehnten regiert die Partei nunmehr den Freistaat und damit schon beinahe ein Drittel der Länge des Zeitpfeils, den das nächsten Mittwoch eröffnende Haus der Bayerischen Geschichte abdeckt.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Denn das Museum am Regensburger Hunnenplatz beschränkt sich in seiner Dauerausstellung auf die jüngsten zweihundert Jahre. Dass es überhaupt zu ihm kam, ist einem Entschluss des damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zu verdanken, der in einer Regierungserklärung anno 2008 den Bau eines Geschichtsmuseums ankündigte. Was damals nicht allen gefiel, der Grüne Sepp Dürr befand, einen solchen Schmarrn brauche man nicht, man habe mehr als 1300 Museen im Land, die teilweise vor sich hin staubten.

          Das Geld – als erste Hausnummer wurden 48 Millionen Euro genannt – sei anderswo besser angelegt. Am Ende kostete das Museum 88,3 Millionen Euro, inklusive der benachbarten „Bavariathek“, eines Medienzentrums, das wegen eines Brandschadens erst 2020 öffnen wird. Hier soll digital alles gesammelt werden, was es in Ton und Bild über Bayern gibt.

          Regensburg bot einen einzigartigen Bauplatz

          Nichts tun Politiker lieber, als Repräsentationsbauten einzuweihen, um die Folgekosten müssen sich dann andere kümmern. In diesem Fall: die Stadt Regensburg. Um die Betriebskosten zu dämpfen, wurde im Passivhaus-Standard gebaut, die Energie gewinnt man aus der Abwärme der Kanalisation. Und immerhin: Es ist das erste Museum seit langem, in dem sich der Freistaat um etwas anderes als Kunst kümmert.

          Viele bayerische Kommunen bewarben sich um dieses Vorzeigeprojekt. Dass Regensburg den Zuschlag bekam, lag auch am einzigartigen Bauplatz, den es anbieten konnte. Direkt an der Donau, wo die Flusskreuzfahrer anlegen, gähnte seit Jahrzehnten eine städtebauliche Lücke, die schon vielen Verwendungen zum Opfer hätte fallen sollen. Eine Stadtautobahn wollte man in den siebziger Jahren hier durchpenetrieren, später träumte ein langjähriger Oberbürgermeister den Kongresszentrums-Traum, am Ende eroberten die Regensburger das Gelände mit einem Markt, den sie jetzt – glaubt man Leserbriefen und Gesprächseindrücken – ebenso schmerzlich vermissen wie sie mit dem Neubau fremdeln.

          Das mag sich freilich bald ändern, denn durch die nun vor dem Haus entstandene Promenade ist eine Fläche entstanden, die man als Stadtraum nutzen kann, autofrei, urban, geschützt. Und wo immer man in der Römerstadt Ratisbona gräbt, findet man Reste der Römerzeit. So auch an dieser Stelle, sogar eine versteinerte Brezen tauchte auf und ein Galgen.

          Franz Josef Strauß war maßgeblich daran beteiligt, die Gleichung CSU gleich Bayern ins Leben zu rufen und am Leben zu erhalten. Bilderstrecke

          Ins neue Haus einziehen durften die Funde nicht, vermutlich waren sie zu alt. Gebaut wurde der Sieger aus rund 250 eingereichten Entwürfen, er stammt von dem Frankfurter Büro Wörner Traxler Richter, das im Bau von Kliniken ausgewiesen ist. Gleich beim ersten Anlauf ins Museumsfach klappte es also für die Hessen. Architekt Stefan Traxler konnte sein Glück gar nicht fassen, in der Unesco-Welterbestadt Regensburg bauen zu dürfen: „Dass es so etwas Schönes gibt, wenn man aus dem hässlichen Hessen kommt.“

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