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Hauck & Bauer-Ausstellung : Randfiguren in der Hauptrolle

Bild: Hauck & Bauer

Komischer wird es in diesem Jahr nicht mehr: Das Frankfurter Caricatura- Museum zeigt die Cartoons des Duos Hauck & Bauer.

          3 Min.

          Wie sie da in der Ecke stehen, Elias Hauck und Dominik Bauer – Ersterer in rotweiß gestreiftem Jackett und kunterbunten Sneakers, Letzterer in dunklem Hemd unter düsterem Blick –, da sind sie selbst Randfiguren. Und das in der eigenen Ausstellung! Aber das Fernsehen will es so, denn in der Ecke steht auch ein eigens für diese Schau im Frankfurter Caricatura-Museum gefertigter Skulptoon (das ist ein von dem Kasseler Bildhauer Sigi Böttcher plastisch umgesetzter Cartoon), der eine gute Kulisse abgibt: ein lebensgroßes Einhorn, das einen Schwimmring in Menschenform trägt. Solche Umkehrung aller Werte und Worte ist die Domäne von Elias Hauck und Dominik Bauer.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Um die Herren aber wenigstens hier vom Rand ins Zentrum zu rücken: Sie sind besser bekannt (vor allem Lesern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) unter dem Duonym Hauck&Bauer, mit dem sie Woche für Woche die Rubrik „Am Rande der Gesellschaft“ zeichnen – so wie nebenstehend vorgeführt, und das schon seit siebzehn Jahren, obwohl beide gerade einmal Anfang vierzig sind. Kennengelernt haben sie sich im gemeinsamen unterfränkischen Heimatort Alzenau, wo sie sich achtzehn Jahre lang konsequent aus dem Weg gegangen waren, bis sie bemerkten, dass sie sich perfekt ergänzten: Dominik Bauer kann nicht zeichnen und nicht singen. Elias Hauck kann alles. Das reichte für die Bildung eines Komikduos, das seinen Schwerpunkt zunächst aufs Wort legte. Zumindest damals in der Randlage von Alzenau.

          Männermund tut Wahrheit kund.
          Männermund tut Wahrheit kund. : Bild: Hauck & Bauer

          Gezeichnet und gesungen wurde aber auch bisweilen, allerdings konsequenterweise nur von Hauck, dessen Debützeichnungen man guten Geschmack bei der Vorbildwahl attestieren kann (Carl Barks, Tex Rubinowitz), während die Musikdarbietungen in der Ausstellung nur erwähnt, aber nicht eingespielt werden. Das ist das einzige Manko in dieser Retrospektive des cartoonesken Werks von Hauck & Bauer, das auf der Galerie des Museums die faszinierende Idee einer sich dahinschlängelnden Lebenslinie der beiden Humoristen in die Vitrinen gebracht hat.

          Doppelter Werdegang

          So kann man neben stoisch-komischen biographischen Angaben zum doppelten Werdegang die zeichnerische Entwicklung von Elias Hauck verfolgen, der bis heute alle von Dominik Bauer erdachten und in stetem Telefonaustausch nachpolierten Gags ins Bild setzt. Man ist versucht, angesichts des eigentümlich eiligen Elans der Hauck’- schen Filzstiftstriche mit dem Protagonisten aus einem der schönsten Cartoons des Duos, „Der Unterschied zwischen Kunst und komischer Kunst“, zu sagen: „Das kann ich auch!“

          Aber wenn man dann liest, was dieser unleidliche Museumsbesucher im zweiten Bild des Cartoons beim Betrachten des nächsten Werks sagt – „Haha! Das kann ich auch!“ –, dann weiß man, dass es gelogen wäre, denn auf diesen ebenso simplen wie subtilen Witz käme man selbst nie. Und die so dilettantisch wirkenden, aber in ihrer Beschränkung auf Kugelaugen, Nase (wahlweise Knollen-, Knick- oder Langnase, stets weise gewählt) und Lippenquerstrich denkbar expressiven Gesichter der Figuren schafft auch niemand außer Hauck. An Barks und Rubinowitz erinnerte da mittlerweile gar nichts mehr.

          Eisbärinnen fühlen sich wohl im Anthropozän
          Eisbärinnen fühlen sich wohl im Anthropozän : Bild: Hauck & Bauer

          So schickten Hauck & Bauer 2002 ein paar Cartoons an die F.A.S., und der Rest ist Komikgeschichte. Seit 2005 sind sie auch regelmäßig im Satiremagazin „Titanic“ vertreten, und zu ihren Bewunderern zählt Anke Engelke, die sich für ihre bis 2015 laufende Fernsehsendung „Anke hat Zeit“ kleine Trickfilme von ihnen erbat. Gewünscht, getan: Sechzehn boshafte Petitessen haben Hauck&Bauer erdacht, zehn davon laufen auf Monitoren, und der Platz davor dürfte bedenklich eng werden in diesen Corona-Zeiten. Aber nebenan kann man die Wartezeit überbrücken mit dem abschließenden, weil unwiderlegbaren Kommentar zum Konflikt zwischen Karikatur und Religion: „Muß man wirklich Karikaturen machen, die die religiösen Gefühle von anderen...“ – „Ja! Gott selbst hat es mir befohlen!“

          Der direkte Draht zu Gott

          Überhaupt Gott: Die Ausstellung bietet auch eine wandfüllende Wolkenformation mit schönen Himmelsszenen aus dem Gesamtschaffen. Hier hat der Kurator Mark-Stefan Tietze kongenialen Geist bewiesen, weil er die Szenen in die Wölkchen setzte, und Wolken stehen in der Comic-Piktogrammatik für Träume. Dass es sich hier und überhaupt bei den meisten ausgestellten Motiven um Reproduktionen handelt – was verschlägt’s? Die Aufforderung eines gewissenssicheren Sesselsitzers: „Alexa, demonstriere gegen Nazis!“ würde als Filzstiftoriginal nicht noch komischer.

          Lesen bildet
          Lesen bildet : Bild: Hauck & Bauer

          Hauck&Bauer bewegen sich ständig am Rande (der Bosheit, des Geschmacks, der Banalität), doch erstaunlicherweise stürzen sie nie ab. Und in dieser Ausstellung klingen dann plötzlich alle Gespräche wie Dialoge ihrer Cartoons. So auch die Order des Redakteurs ans technische Personal des Fernsehteams, das noch zum Dreh nach Alzenau fahren soll: „Ich weiß nicht, was es in Alzenau gibt, ob es da überhaupt etwas gibt und ob sie da offen haben.“ Auch das hat Humor, aber einer Stadt gegenüber, die Hauck&Bauer hervorgebracht hat, sollte man doch eher den Rand halten.

          Hauck & Bauer – Cartoons. Im Caricatura-Museum, Frankfurt am Main; bis zum 7. März 2021. Das kleine rote Begleitbuch, erschienen im Verlag Antje Kunstmann, kostet 18 Euro.

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