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Neues von Rowling : Potters Drama

  • -Aktualisiert am

Das Palace Theatre ist bereits verzaubert, aber die Harry Potter Fans müssen sich bis zur Premiere am 3. Juli noch in Geduld üben. Bild: AFP

Nach Büchern und Filmen hat der Zauberlehrling Harry Potter nun auch das Palace Theatre in London verhext. Die Kartenkontingente im Vorverkauf sind Teil der Inszenierung, welche zuweilen an faulen Zauber erinnert.

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          An der imposanten spätviktorianischen Backsteinfassade des Palace Theatre kauert ein verängstigtes Kind mit Flügeln, das an den „goldenen Schnatz“ erinnert, den kleinsten der drei verzauberten Bälle des Quidditchspiels. Für „Harry Potter and the Cursed Child“, das zweiteilige Theaterstück, das als achte Folge von J. K. Rowlings Phantasie über den Zauberlehrling angepriesen wird, hat das Theater einen neuen Baldachin erhalten mit drachenförmigen Leuchten, die den Wappen der vier Häuser des Zauberinternats Hogwarts nachempfunden sind. Die Produktionsfirma will außerdem große Banner an dem unter Denkmalschutz stehenden Bau anbringen. In dem Antrag darauf steht, dass die von der Öffentlichkeit „glühend erwartete“ Inszenierung wahrscheinlich zwei Jahre lang laufen werde.

          Die sich über fast zwei Monate erstreckenden Vorpremieren haben in dieser Woche begonnen. Und zwei Jahre Laufzeit sind eine konservative Schätzung; das Musical „Les Misérables“ war neunzehn Jahre lang im Palace Theatre zu sehen. Hinter dem Harry-Potter-Bühnenprojekt steckt die Produzentin Sonia Friedman, die einige der jüngst erfolgreichsten Londoner Theaterspektakel verantwortet hat, darunter den geradezu hysterisch hochgejubelten „Hamlet“ mit Benedict Cumberbatch. Sie hat J. K. Rowling die Idee der Harry-Potter-Fortsetzung schmackhaft gemacht und einen Dramatiker gefunden, der aus Gesprächen mit der Bestsellerautorin und einigen ihrer Vorschläge dann das Stück geformt hat. Wie bei „Hamlet“ wird der Wirbel nicht zuletzt durch eine Steuerung der Kartenkontingente geschürt. Im Vorjahr hatten sich zu Beginn des Vorverkaufs weibliche Fans des Hauptdarstellers, die „Cumberbitches“, zu Tausenden aufgereiht, um dann zu erfahren, dass die ganz Spielzeit innerhalb von dreieinhalb Stunden ausgebucht war und Karten im Weiterverkauf bereits zu Wucherpreisen angeboten wurden.

          Wer einen heißen Draht zur Theaterkasse hatte, wusste allerdings, das an bestimmten Tagen weitere Kontingente freigegeben werden würden. Bei „Harry Potter“ ist es ähnlich. Die Internetseite informiert, dass bis Ende Mai 2017 keine Karten mehr erhältlich wären. Doch dann ist über Twitter zu erfahren, dass plötzlich eine frische Partie auf den Markt geworfen worden sei. Jeweils Freitags werden für die Vorstellungen der folgenden Woche vierzig Karten in einem Lotterieverfahren vergeben. Sonia Friedmann, von der behauptet wird, sie strebe Qualität an, nicht Gewinn, hat aus „Hamlet“ gelernt. Als einige Zeitungen damals einen Sturm der Entrüstung entfesselten, weil sie gegen das „gentleman’s agreement“ verstießen und bereits die erste Voraufführung rezensierten, rechtfertigten sie sich mit dem Argument, dass die Produktionsfirma dafür genauso viel Eintritt wie für die fertige Aufführung verlangt habe.

          Das sei ein Fehler gewesen, gestand die Produzentin. Ein Schild vor dem Palace Theatre kündigt für „Harry Potter“ verbilligte Karten bis zum 3. Juli an. Die Premiere ist allerdings erst am 30. Juli. Unterdessen fleht J. K. Rowling ihr Publikum an, nichts über die Handlung des Stücks preiszugeben. Jeder glückliche Besucher bekommt beim Verlassen der Vorstellung ein Abzeichen mit der Aufschrift „Keep the secrets“. Agatha Christies „Mäusefalle“ ist ohne solche theatralische Ermahnungen ausgekommen. Das Kriminalstück läuft seit 1952 ununterbrochen im Londoner West End, ohne dass über den Täter viel verraten worden ist.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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