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Harald Schmidt als Tänzer : „Egon, du machst mich wahnsinnig!“

  • Aktualisiert am

Harald Schmidt macht aus der Beckerfaust ein Pas de deux. Im Tanztheater käme er damit sicher durch Bild: Wiebke Hüster

Harald Schmidt moderiert zum ersten Mal eine Ballett-Gala im Gelsenkirchener „Musiktheater im Revier“: Wie hält der Entertainer es mit dem Tanz?

          8 Min.

          Wir reden heute über Tanz. Schon nervös?

          Ich tanze ja nicht, oder muss ich? (lacht).

          Na ja, aber Sie äußern sich dazu. Der Film „Black Swan“ erlitt in Ihrer Show eine empfindliche Parodie-Breitseite, als Katrin Bauerfeind mit Diadem und im Tutu moderierte...

          Wir kamen darauf, weil diesen Film wahnsinnig viele Leute gesehen haben, die Hauptdarstellerin hat einen „Oscar“ gewonnen, da kann man eine gewisse Bekanntheit voraussetzen. Ich denke auch, dass der Film nichts mit der Ballettwelt heute zu tun hat, sondern dass darin massiv Klischeevorstellungen aufgerufen werden: Also erstens die Eislaufmutter und zweitens die These, dass eine Tänzerin erst wirklich gut wird, wenn sie Sex mit dem Choreographen hat.

          Aber so viele Choreographen sind doch schwul.

          Mittlerweile nicht mehr, das ist fast ein Klischee.

          Der von „Black Swan“, Benjamin Millepied, nicht, klar, er ist jetzt mit Natalie Portman verheiratet.

          Ich glaube, unter den Tänzern gibt es viel weniger Schwule, als das Vorurteil es will. Das ist doch die ideale Kunstform - als heterosexueller Ballettstar - was das Wildern im Publikum angeht! Wir haben den Film einfach noch mal reduziert, auf das Diadem.

          Mich hat damals so geärgert, dass es bis nach der Oscar-Verleihung so dargestellt wurde, als wäre Natalie Portman in fast allen Tanzszenen selbst zu sehen. Das ist dann die Sorte Oscar, die auch Demi Moore für „GI Jane“ bekam - wenn sich nämlich Schauspieler so extrem verwandeln für eine Rolle, dass sie kaum wiederzuerkennen sind und schier übermenschliche Anstrengungen für eine Metamorphose unternommen haben, Moore mit antrainierten Männermuskeln und so ...

          Es gibt eine Liste, aus der hervorgeht, dass die sicherste Garantie für einen Oscar irgendeine Form von Behinderung ist. Was man aus dem Kopf aufzählen kann, ist Dustin Hoffmann in „Rain Man“, Robert De Niro mit dreißig Kilo Gewichtszunahme für „Raging Bull“, Al Pacino blind in „Der Duft der Frauen“. In gewisser Weise geht auch vieles, was Daniel Day-Lewis spielt, in diese Richtung - also jetzt nicht gerade Lincoln (lacht), aber eben „Mein linker Fuß“. Man weiß ja, was von der Oscar-Verleihung zu halten ist, und welch hoher Prozentsatz von Academy-Mitgliedern die Filme gar nicht sieht.

          Bereits 2003 haben Sie im deutschen Fernsehen behauptet, nicht mehr als dreimal in Ihrem Leben getanzt zu haben. Sind Gelegenheiten dazugekommen?

          Nein!

          Darf ich fragen welche drei Gelegenheiten das waren?

          Zwei Mal geschah das Unvorstellbare im Rahmen von Theateraufführungen, und das andere Mal war eine Situation, in der es sich gar nicht vermeiden ließ...

          Die eigene Hochzeit?

          Hab ja nicht geheiratet, aber auch bei fremden Hochzeiten war ich kaum mal. Ich kann einfach nicht tanzen, in meiner eigenen Wahrnehmung.

          Ich finde, Sie sehen dabei ganz gut aus.

          Wo wollen Sie mich denn tanzen gesehen haben?

          In Ihrer Sendung, irgendwann 2003, Sie halten da eine Zeitungsseite hoch „Das Tanzflächen-Theater“ und führen die darauf beschriebenen Tanzarten vor, die Männern möglich sind. Das Erste war: Becken vor und zurück, dazu „Bäckerfäuste“. Wieso eigentlich Bäckerfäuste?

          Keine Ahnung, keine Erinnerung mehr. (Anm. d. Red.: Unsere Tanzkritikerin und ihr Gesprächspartner reden gerade von „Beckerfäusten“, benannt nach Boris Beckers Triumphgeste beim Tennis.)

          Dann kam ein irre guter Luftgitarrentanz, am Ende gingen Sie auf die Knie - das sah ziemlich nach Gymnasiast aus, klasse.

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