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Harald Schmidt als Tänzer : „Egon, du machst mich wahnsinnig!“

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Wem sagen Sie das. Ich bin Tanzkritikerin, wenn ich irgendwo meinen Beruf nenne, sagen die Leute: „Ähäh, ja, schön“ - mit einem Blick, der sagt, „Hoffentlich fängt sie jetzt bloß nicht an, darüber zu reden.“ Aber die Theater sind immer voll. Keine Ahnung, wo sich die Ballettfans tagsüber verbergen. Sie aber waren auf dem Weg zum Musicalstar. In „Anatevka“ mussten Sie einen einzigen Satz singen...

Genau: „Sie sind so glücklich und zufrieden.“

... und nicht einen Schritt tanzen?

Doch, da war eine Choreographin. Aber „Anatevka“, das ist ja dreißig Jahre her! Da dachte ich noch, mit einem Spitzenchoreographen und viel Training würde ich ein super Musicaltänzer werden.

Das wär doch was gewesen.

Es war mir einfach zu schmerzhaft. Ich hatte keine Lust, die Stirn aufs Knie zu kriegen. Unsere Lehrerin an der Schauspielschule setzte sich uns ja ins Kreuz: „Los, Schatzi, weiter runter!“ Das war schon Hardcore. Ich hab’s lieber bleibenlassen.

In der Arbeit mit Schauspielern hat sich einiges geändert. Nur im Tanz sagt Ihnen der Choreograph genau, was Sie zu tun haben. Hatten Sie schon dazu einfach keine Lust?

So weit kam es gar nicht. Dazu war ich nicht lange genug am Theater, erstens, und zweitens waren die Rollen gar nicht groß genug. Die einzige Anweisung, die ich bekam, war ein „Komm mal ein bisschen schneller“ oder „Stell dich mal ein bisschen weiter nach links“. Ich habe ja nie eine Hauptrolle gespielt.

Abba sangen „Meine Mutter sagt, ich war ein Tänzer, bevor ich laufen konnte, ich sang, bevor ich sprach...“ Also trifft das auf Sie nicht zu.

„Thank you for the music“! Nein, so war das bei mir nicht. Ich war total unsportlich und der Einzige in der Klasse, der eine Brille hatte. Das ist alles eine logische Entwicklung hin zu einer Tätigkeit hinter dem Schreibtisch.

Harald Schmidt, heute ist das nicht Ihre erste Gala, aber Ihre erste Ballett-Gala. Das machen Sie, weil die Gelsenkirchener Ballettdirektorin Bridget Breiner, vorher ein Star des Stuttgarter Balletts, Sie in ihrem „Prinzen von Dänemark“ 2008 so gut aussehen ließ tänzerisch.

Nur für sie. Sie hat eine tolle Choreographie für „Hamlet“ gemacht. Sie hat diese klassische Ausbildung, aber als Amerikanerin Sinn für Unterhaltung. Und ich sage Ihnen, deutsche Schauspieler zum Tanzen zu bringen, ist noch mal einen Zacken komplizierter.

Und wie hat sie sie dazu bekommen, das durchzuhalten? Bridget Breiner ist eine zarte, ätherische Schönheit. Waren Sie denn da nicht automatisch alle still?

Doch, man fand’s natürlich schon unverschämt ihr gegenüber, aber da hatte man dann ja schon vier Stunden geprobt. Dennoch hat sie das toll gemacht und ich habe mich sehr gefreut, dass sie dann in Gelsenkirchen anfing. Wir sind locker in Kontakt geblieben - und als sie wegen der Gala gefragt hat, habe ich sofort zugesagt. Ich finde diese Veranstaltung für Gelsenkirchen wichtig. Und ich mache es rein für Bridget.

Für wen schwärmen Sie noch?

Ich erinnere mich an Egon Madsen in John Crankos „Jeu de cartes“. Ich bin genau wie das Stuttgarter Ballettpublikum. Es ist wurscht, was da auf der Bühne heute passiert, ich sehe immer noch Egon Madsen springen. Das zeigt die Stuttgarter Anhänglichkeit. So war das ja auch bei Claus Peymann im Schauspiel.

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