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Harald Schmidt als Tänzer : „Egon, du machst mich wahnsinnig!“

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Ich erinnere mich wirklich an nichts...

Andrack machte dann „Das Zeigen auf die geilen Schnitten, die man nicht kriegt“ und „Das Zeigen an die Decke, auch verbunden mit dem Wuschel“. Der „Wuschel“ ist eine alte pantomimische Bewegung aus dem Ballett, die „Tanzen“ bedeuten soll.

Keinen blassen Schimmer.

Und das soll ich jetzt glauben. Zum Schluss wurde der Scharfe Sven rausgeschickt zum Headbanging.

Der Scharfe Sven, ja. Sven war ein Naturtalent. Der war Requisiteur bei uns, aber für viele Stunts zuständig, er fuhr mit dem Einrad nackt durchs Studio. Der kann sich toll bewegen. Ich finde es ja gut, wenn Leute sich toll bewegen, nur meinen Ansprüchen genüge ich selbst nicht, da schaue ich es mir lieber bei Leuten an, die es können.

Aber Tanzstunden haben doch garantiert zu Ihrer Schauspielausbildung gehört. Walzer? Foxtrott? Cha-Cha-Cha?

Viel seriöser. Wir hatten jeden Morgen eine Stunde Bewegungstraining, mit Pianist.

Bei so einer Ausdruckstänzerin? O Gott!

Ja, herrlich. Damals war ich schon fit, denn zu der hat man sich auch mit noch besoffenem Kopf geschleppt. Man hat dann „Chorus Line“ und so kleinere Choreographien gemacht.

Also doch.

Aber auch da gab’s Leute, die das viel besser konnten.

Es ist ja auch nicht so leicht, wenn man so groß ist. Nicht umsonst sind viele brillante Tänzer eher kleiner als Sie. Dann hat man eine starke Mitte und nicht zu lange Extremitäten zu bewegen.

Bis man mal verstanden hat, was es bedeutet, einen Arm auszustrecken und die Spannung zu halten - dabei ist das auch beim Schauspieler wichtig. Sonst sieht es nach nichts aus, nur schlaksig. Das hat mich fasziniert, aber mir war klar, dass Tanzen für mich beruflich nicht in Frage kommt.

Ist es nicht auch für Schauspieler wichtig, sich zu quälen, um elastisch zu bleiben?

O doch. Aber ich bin ja kein Schauspieler! Ich habe ja mein Berufsleben auf die Bewegungsabläufe abgestellt, die mir Spaß machen.

Entschiedenes Sitzen?

Das ist Brecht: Der Schauspieler soll sich die Bewegungen so einteilen, dass sie ihm Genuss bereiten. Er meint natürlich, die Bewegungen, die die Rolle erfordert, müssen dann Spaß machen. Aber ich mache alles überwiegend sitzend, oder ich stehe am Anfang bei dem Stand-up.

Aber solche Tanzsachen würden Sie nicht mehr machen.

Nein. Nein, nein, nein.

Schade. Als letzter Stil in dem Sketch kommt dann Skifahren zu Ska-Musik - da sagen Sie, zur New Wave Zeit hätten Sie schon keinen Sex mehr gehabt und daher hätte sich das Tanzen auch nicht gelohnt. Also mich hat noch kein Mann durch seinen Tanzstil ins Bett gekriegt, aber gut, ich bin ja auch verwöhnt.

Ich kriege viele, viele Sachen erzählt, an die ich keinerlei Erinnerung habe. Ich habe ja auch schon jede Perücke und jede rote Nase mal aufgehabt.

Trotzdem war Ihre Tanznummer zeitlos schön.

Das kann schon sein, dass Sie das finden. Wir hatten ja auch bei „Schmidteinander“ mit Feuerstein eine Parodie, die hieß „Tanztheater“. Darin haben wir so quasi Pina Bausch gemacht.

Was, Sie haben sich über das Tanztheater lustig gemacht?

Ja. Aber das ist natürlich komplett vorbei. Pina Bausch lebt nicht mehr, und mein heutiges Publikum wüsste auch gar nicht, wer Pina Bausch war. Sie können das gar nicht mehr parodieren, weil das zwanzig Jahre her ist. Damals gab es noch eine Schicht, die zumindest wusste, dass es so etwas gibt. Das können Sie heute alles vergessen.

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