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Hans-Jochen Vogel : Es ist ein Unterschied, ob jemand Soldat war

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Darüber könnte man lange reden. Die erste Version hatte dieselbe Grundaussage wie die zweite, nur hat man leider bei den Bildunterschriften eine gewisse Sorglosigkeit walten lassen. Das schlimmste war der Umgang mit Bogdan Musial, den man mit einer Klage bedrohte. Aber bitte, das darf man auch sagen, diese Fehler sind dann anerkannt worden und wurden behoben. Beide Ausstellungen hintereinander haben auf ihrem Gebiet der Realität zum Durchbruch verholfen.

Glauben Sie, daß es einen Geburtsfehler der Bundesrepublik gibt, wenn man etwa an die Rentenversicherung denkt? Oder sind wir nur nicht in der Lage, mit einer Krise umzugehen?

Einen Geburtsfehler kann ich nicht erkennen. Zur Geburt unserer Republik gehört das Grundgesetz, und das war die beste Ausstattung, die sich die Republik auch von heute gesehen wünschen konnte. Daß wir Krisen bisher gar nicht bewältigt hätten, will ich auch nicht sagen. Da könnte ich einige aufzählen. Das neue Problem sehe ich darin, daß wir es bisher im wesentlichen mit der Verteilung von mehr zu tun hatten. Jetzt müssen wir die Kriterien der Gerechtigkeit zum ersten Mal in einer Lage anwenden, in der es um ein Weniger geht.

Wann hätte man die Zeichen erkennen können, die Entwicklungslinien der Sozialversicherung, die Alterspyramide, die Herausforderungen der Globalisierung?

Ich bin in Verlegenheit, den Zeitpunkt exakt anzugeben. Ich erinnere mich nur daran, daß wir, als die Große Koalition antrat, 600.000 Arbeitslose als eine Krise betrachtet haben. Ab 1970 ist die Arbeitslosigkeit mit kleinen Unterbrechungen kontinuierlich gestiegen, auch in der ganzen Zeit der Regierung Kohl, 4,9 Millionen hatten wir ja schon einmal. Wo da der exakte Zeitpunkt war, daß man hätte sagen müssen: Jetzt bedarf es einer gewaltigen Anstrengung, kann ich Ihnen nicht sagen. Wir haben während meiner Zeit als Fraktionsvorsitzender das Programm „Arbeit und Umwelt“ als Reaktion auf diese Entwicklung vorgelegt, aber ich gebe zu, die große Antwort war es auch nicht.

Haben Sie manchmal Zweifel? Vergleichen Sie manchmal 1932 und 2005?

Ich vergleiche die Arbeitslosigkeit mit der Zeit 1932, weil ich als Sechsjähriger mit meinen Eltern neben dem Wohlfahrtsamt, so hieß das damals, wohnte. Da waren endlose Schlangen von Leuten, die ihre Arbeitslosenunterstützung abholten. Man glaubt gar nicht, wie wenig die damals als Stütze bekommen haben. Heute ist die Arbeitslosigkeit nicht mehr primär ein materielles Problem, vielmehr ist es die Ausgrenzung und die Demütigung, als die viele ihre Arbeitslosigkeit empfinden.

Geht die Erfolgsgeschichte weiter, oder wird es eines Tages ein Buch über die Bundesrepublik geben mit dem Titel Abstieg eines Superstars?

Klare Antwort: Nein. Ich traue es unserem Volk und auch der heutigen Generation zu, mit den aktuellen Herausforderungen fertig zu werden.

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