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Hans-Jochen Vogel : Es ist ein Unterschied, ob jemand Soldat war

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Wie sozialistisch war der Nationalsozialismus?

Da erinnern Sie mich an eine Äußerung, an die der, der sie einmal gebraucht hat, selber nicht mehr erinnert werden will, das ist Herr Stoiber. Er hat als Generalsekretär der CSU 1980 gesagt, man müsse endlich mal zur Kenntnis nehmen, daß die Nationalsozialisten in erster Linie Sozialisten waren. Das hat er später, und das ehrt ihn, korrigiert und zurückgenommen. Nein, also von meinen sozialdemokratischen Vorstellungen...

Es geht nicht um Ihre sozialdemokratischen Vorstellungen. Es geht um ein Thema, das in diesen Tagen neu diskutiert wird, auf der Grundlage des Buches von Götz Aly. Aly spricht davon, daß die sozialen Errungenschaften des Dritten Reiches zu Lasten der eroberten, unterdrückten Länder gingen.

Vom Sozialismus könnte ich in bezug auf den Nationalsozialismus überhaupt nicht reden. Selbst wenn man das Parteiprogramm aus dem Jahr 1921 liest: Außer der „Brechung der Zinsknechtschaft“, die Gottfried Feder hineinempfohlen hat, ist nichts zu finden. Was als sozial erachtet wurde, war die Überwindung der Arbeitslosigkeit.

Aber Kraft durch Freude, der Volkswagen oder der Volksempfänger, die Volksgemeinschaft und der 1. Mai - gab es in diesen Dingen nicht Züge einer sozialen Volksgemeinschaft?

Ich widerspreche ungern, aber der Volksempfänger war nicht deswegen propagiert worden, weil man soziale Vorstellungen hatte, sondern weil er für Goebbels die Voraussetzung für die ununterbrochene Propaganda war, die das ganze Volk erreichte. Und Volkswagen? Meine arme Tante hat gespart auf einen Volkswagen. Kein einziger hat bis Kriegsende seinen Volkswagen bekommen. Außerdem fehlt mir bei Götz Aly auch das „Eiserne Sparen“. Von einem gewissen Zeitpunkt an, ich glaube 1942, mußte man ein Teil seines Verdienstes bei der Sparkasse anlegen, „Eisernes Sparen“.

Kann man von einer bewältigten Vergangenheit sprechen?

Andere reden dann von Aufarbeitung, mit dem Wort habe ich noch mehr Probleme. „Auseinandersetzung“ trifft es besser. Wir hatten eine Phase, da trat dies alles in den Hintergrund, weil die existentiellen Probleme im Vordergrund standen und der Wiederaufbau. Und der Prozentsatz derer, für die die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in stärkerer oder schwächerer Form Selbstkritik gewesen wäre, lag zunächst bei siebzig Prozent und nahm erst allmählich ab. Selbst wir Sozialdemokraten haben uns zunächst nicht in besonderer Weise um die politisch verfolgten Sozialdemokraten gekümmert, die wollten das zum Teil auch gar nicht. Erst Brandt hat das Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre angestoßen. Dann gab es den Auschwitz-Prozeß und dann die Holocaust-Reihe im Fernsehen. Es gab den Einsatzgruppenprozeß als Vorläufer des Auschwitz-Prozesses. Für mich ist der entscheidende Wendepunkt die Weizsäcker-Rede vom 8. Mai 1985. Zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hat dann auch die Wehrmachtsausstellung beigetragen.

Die sehr umstritten war. Meinen Sie die erste Version oder die heutige Version?

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