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Hans Hütt erhält den Michael-Althen-Preis : Wir sind dann mal wieder im Kino

Mit dem Michael-Althen-Preis 2014 ausgezeichnet: der Journalist und Blogger Hans Hütt Bild: Jens Gyarmaty

Die politischen Zustände in Frankreich, eine biographische Skizze von Alan Turing und ein Theaterstück von Falk Richter führt Hans Hütt in dem Essay zusammen, für den er mit dem Michael-Althen-Preis ausgezeichnet wurde. Eine Feierstunde.

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          Zum dritten Mal wurde am Mittwochabend im Deutschen Theater in Berlin der Michael-Althen-Preis für Kritik verliehen. Jedes Jahr passiert mit den Erinnerungen an den 2011 gestorbenen Filmkritiker ziemlich genau das, was dieser im Jahr 2000 in einem Text über Patrick Modiano folgendermaßen beschrieben hatte: „Je unzuverlässiger die Erinnerungen werden, desto mehr gewinnen sie an Schwerkraft. Am Ende lasten sie umso schwerer auf der Seele, je weniger man sie fassen kann.“

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dass auch die Texte Althens, obwohl man sie ja immer wieder lesen kann (endlich auch in einem Buch: „Liebling, ich bin im Kino“, Blessing Verlag), Jahr für Jahr an Schwerkraft gewinnen, das liegt schon daran, dass die Preisverleihung mit der Lesung eines von Althens Texten beginnt, welche die Lücke deutlich machen, die er hinterlassen hat. Und das ist aber auch der Grund dafür, dass trotz aller Trauer eine gewisse Leichtigkeit den Ton des Abends ausmacht. In diesem Jahr las die Schauspielerin Almut Zilcher den Nachruf auf Robert Mitchum vor, der damit endet, dass Mitchum Calypso singt und die Musik dazu durch die Luft schaukelt wie ein Eiswürfel in einem Drink. Und natürlich ist es jetzt immer auch Michael Althen, der in diesen Texten die Rolle der von ihm verehrten Helden spielt.

          Ein Lob der Differenz

          Dass man ihn sich problemlos als Schauspieler in den von ihm besprochenen Filmen vorstellen konnte, daran erinnerte auch die Schauspielerin Mavie Hörbiger in ihrer Rede. Anderen, so jedenfalls erzählte es Claudius Seidl, Leiter des Feuilletons der Sonntagszeitung, über Frank Schirrmacher, hätte es schon gereicht, wenigstens einen Tag einmal Michael Althen zu sein. Auch der im Juni gestorbene Mitherausgeber dieser Zeitung wurde an diesem Abend sehr vermisst. Den Text des Preisträgers hätten vermutlich beide sehr geschätzt: Schirrmacher hatte den Autor Hans Hütt auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung engagiert, den prämierten Text „Kritik des homophoben Denkens“ hatte Hütt allerdings für sein Blog „Anlasslos“ verfasst.

          Die Jury-Mitglieder Claudia Michelsen, Tom Tywker und Daniel Kehlmann Bilderstrecke
          Die Jury-Mitglieder Claudia Michelsen, Tom Tywker und Daniel Kehlmann :

          Sein langer Essay bringt so disparate Themen wie die politischen Zustände in Frankreich, eine biographische Skizze von Alan Turing und ein Theaterstück von Falk Richter zusammen und läuft am Ende auf ein Lob der Differenz hinaus. Und obwohl er nur in einer um knapp die Hälfte gekürzten Version vorgetragen werden konnte, ließ sich erahnen, welchen Eindruck dieser Bewusstseinsstrom auf die Jury (die Schauspielerin Claudia Michelsen, der Schriftsteller Daniel Kehlmann sowie die Regisseure Dominik Graf und Tom Tykwer) ausgeübt hat.

          Leidenschaft für einen Gegenstand

          Man konnte, auch das sollte man nicht verschweigen, an diesem Abend ein Bedauern nicht überhören, dass, wie schon in den Vorjahren, ein Beitrag gewonnen hatte, der mit dem Althenschen Schreibgestus eher wenig gemeinsam habe. Vielleicht hilft es aber, diese Tatsache als doppelte Hochschätzung zu begreifen: als eine sowohl der Unvergleichbarkeit der Artikel Althens als auch der eigenen Qualitäten der ausgezeichneten Texte.

          Die Grundidee des Althen-Preises ist ja nicht, Texte für die Erfüllung stilistischer Kriterien zu honorieren (und seien es jene von Michael Althen), sondern für die gelungene Vermittlung eines eigenen Blicks, einer Leidenschaft für den Gegenstand. Es gibt wohl, was eben nicht das Problem der Texte ist, im deutschen Journalismus keinen anderen Preis, den die bisher prämierten Texte hätten gewinnen können. Das ist der Trost, den dieser Abend spendet: dass er nicht nur eine große Lücke deutlich macht, sondern auch eine kleine schließt.

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